Rohnstock Biografien Medienarchiv

Emigranten erzählen – Meine letzten Tage in Deutschland

Am 8. Mai 2005 jährte sich zum 60. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges. Wer dem Terror entrinnen konnte, hat das Erlebte bis heute nicht vergessen.
Gedenkveranstaltungen und Reportagen liefern Fakten, Zahlen, Hintergründe. Inmitten der Informationsflut gibt es jedoch wenig Raum für den Einzelnen, die eigene Geschichte zu erzählen.
Wesentliches ist noch nicht gesagt. Viele haben jahrzehntelang geschwiegen und können erst jetzt reden. Um ihre Erinnerungen zu bewahren und weiterzugeben, veranstaltet Rohnstock Biografien in Kooperation mit dem Hotel Adlon Kempinski eine Reihe von Erzähl-Salons.

Erzähl-Salon vom 24. September 2005 (59:59 Minuten)
aufgenommen im Hotel Adlon Kempinski, Berlin

  1. Moderator – Eröffnung
  2. Dr. Volkmar Zühlsdorff – So was kann doch in Deutschland nicht passieren!
  3. Andrée Leusink – Er hat nichts persönliches erzählt
  4. Werner Max Finkelstein – Wir waren gute Deutsche. Was sollten wir vor den Nazis flüchten?
  5. Heinz Kallmann – Ich glaube, unsere Eltern wussten, dass sie uns nicht wiedersehen
  6. Sara Bialas – Ich wusste damals noch nicht, dass ich kein Mensch bin
  7. Werner Bab – Du als Jude hast in Deutschland keine Zukunft
  8. Gespräch – Wir haben uns geschämt ...
  9. Gespräch – Nichts aus dieser Zeit, nicht mal ein Foto ...
  10. Moderator – Schluss
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Eröffnung

Moderator (01:38 Minuten)

Bert Thinius, Leiter der Rohnstock-Erzählakademie, begrüßt die Teilnehmer des Erzähl-Salons.

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So was kann doch in Deutschland nicht passieren!

Dr. Volkmar Zühlsdorff (11:44 Minuten)

Dr. Volkmar Zühlsdorff wurde am 9.12.1912 in Finow (Mark Brandenburg)
geboren. Seit 1931 ist er Mitglied des republikanischen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Im Mai 1933 emigrierte er mit Prinz Hubert zu Löwenstein und dessen Frau Helge Prinzessin zu Löwenstein, nach Österreich, später nach Frankreich, England, in die Schweiz und die USA, wo er von Januar 1938 bis September 1946 lebte – als Geschäftsführer der 1936 von
Löwenstein in New York gegründeten Deutschen Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil mit den Präsidenten Thomas Mann (literarische Klasse) und Sigmund Freud (wissenschaftliche Klasse). Nach 1947 war Dr. Zühlsdorff unter anderem politischer Redakteur der Wochenzeitung “Die Zeit” und Diplomat im Auswärtigen Dienst der BRD. Er war Sprecher der Sektion Literatur im deutschen Kulturrat, Mitglied des Kuratoriums im Deutschen Literaturfonds sowie des Vorstandes der Union Deutscher Widerstandskämpfer- und Verfolgtenverbände. 

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Er hat nichts persönliches erzählt

Andrée Leusink (08:28 Minuten)

Andrée Leusink wurde 1938 in Frankreich geboren. Die Kindheit verbrachte sie in Heimen, im Lager und bei einer Pflegefamilie in der Schweiz. Die Mutter kam unter der Naziherrschaft um. Der Vater kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück, wohin sie ihm 1948 folgte. Sie arbeitete als Lehrerin und Psychologin.

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Wir waren gute Deutsche. Was sollten wir vor den Nazis flüchten?

Werner Max Finkelstein (10:04 Minuten)

Werner Max Finkelstein wurde 1925 in Gumbinnen (Ostpreußen) geboren. Mit zehn Jahren zog er nach Berlin und verließ Deutschland 1939 mit einem Kindertransport Richtung Schweden. Als Fühnfzehnjährgiger machte er sich alleine auf eine abenteuerliche Reise, um per Schiff und Bahn zu seiner inzwischen in Bolivien lebenden Mutter zu gelangen. Hier schlug er sich einige Jahre als Krokodiljäger, Gefängnisaufseher und Minenarbeiter durch. 1948 gelangte er über die “grüne Grenze” nach Argentinien. Er wurde Journalist und leitete auch in den Zeiten der Militärdiktatur und Hyperinflation die letzte deutschsprachige Emigrantenzeitung Lateinamerikas. In der Redaktion lernte er seine 49 Jahre jüngere Frau kennen, mit der er 1999 nach Berlin zurückkehrte. (Aus dem Klappentext seiner Autobiografie: Jude, Gringo, Deutscher)

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Ich glaube, unsere Eltern wussten, dass sie uns nicht wiedersehen

Heinz Kallmann (08:29 Minuten)

Heinz Kallmann wurde 1926 geboren und gelangte 1939 mit dem letzten Kindertransport nach England, wo er bis 1976 lebte.

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Ich wusste damals noch nicht, dass ich kein Mensch bin

Sara Bialas (08:37 Minuten)

Sara Bialas wurde 1927 im polnischen Czestohova geboren. 1941fiel sie der Wehrmacht bei einer Razzia in die Hände und kam ins Konzentrationslager Groß-Rosen. Nach der Befreiung im Februar 1945 lebte sie zunächst in Bayern, Paris und Israel, bis sie 1961 nach Deutschland zurückkehrte.

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Du als Jude hast in Deutschland keine Zukunft

Werner Bab (07:05 Minuten)

Werner Bab wurde 1924 in Oberhausen geboren und lebte ab 1929 in Berlin. Nachdem die Nürnberger Rassegesetze ihm den Besuch einer öffentlichen Schule verwehrten, kam er in ein Internat für jüdische Kinder nach Stettin, wo er bis zur Schließung dieser Einrichtung im Jahre 1938 blieb. Um der drohenden Deportation zu entgehen, versuchte er 1942 in die Schweiz zu fliehen. Die Gestapo verhaftete ihn an der Grenze und brachte ihn in das Konzentrationslager Auschwitz. Nach der Befreiung lebte er unter anderem zehn Jahre in den USA. Bis heute betreibt er eine FIAT-Niederlassung in Berlin.

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Wir haben uns geschämt ...

Gespräch (02:01 Minuten)

Verfolgung, Flucht, Vetreibung: Die Emigranten litten darunter, wie Untermenschen behandelt zu werden.

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Nichts aus dieser Zeit, nicht mal ein Foto ...

Gespräch (01:18 Minuten)

Der Exodus hinterließ viele emotionale Spuren – doch persönliche Erinnerungsstücke sind rar.

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Schluss

Moderator (00:30 Minuten)

Moderator Bert Thinius bedankt sich bei den Erzählern.

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