»Arbeitslos, aber nicht wehrlos!«: Buchpremiere im Industriemuseum Chemnitz

Gemeinsam mit der IG Metall Chemnitz stellte Rohnstock Biografien am Mittwoch, dem 8. September 2021 die druckfrische Geschichte des Vereins »Neue Arbeit Chemnitz« vor. Das Buch versammelt Erfahrungen mit den besonderen Herausforderungen auf dem sächsischen Arbeitsmarkt vor 30 Jahren – und zeigt Lösungen auf, die als Vorbild für künftige Umbrüche gelesen werden können.

Vor his­to­ri­scher Kulis­se im Indus­trie­mu­se­um Chem­nitz: Mario John, Ers­ter Bevoll­mäch­tig­ter der IG Metall Chem­nitz, bedankt sich bei Buch­au­tor Her­mann Vin­ke, Mode­ra­to­rin Alrun Fischer, NAC-Grün­de­rin Doris Mül­ler sowie Her­aus­ge­be­rin Kat­rin Rohn­stock (v.l.n.r.)

»Arbeit neu erfun­den«, so lau­te­te der Titel der Abend­ver­an­stal­tung im Indus­trie­mu­se­um Chem­nitz, bei der zwei aktu­el­le Publi­ka­tio­nen prä­sen­tiert wur­den. Sie the­ma­ti­sie­ren die Her­aus­for­de­run­gen des Arbeits­le­bens in Ost­deutsch­land nach der Wen­de. Das eine Buch steu­er­te der Jour­na­list und Autor Her­mann Vin­ke bei: »Ein Volk steht auf – und geht zum Arbeits­amt. Staats­hol­ding Treu­hand als Fehl­funk­ti­on - die Sicht von Betrof­fe­nen« (VSA Ver­lag). Dar­in kom­men aus­führ­lich Men­schen aus Ost­deutsch­land zu Wort, die sich nach 1990 aktiv für die Ret­tung von Arbeits­plät­zen und den Umbau der Indus­trie einsetzten. 

Das ande­re Buch stell­te Her­aus­ge­be­rin Kat­rin Rohn­stock vor: »Arbeits­los, aber nicht wehr­los! Der Ver­ein Neue Arbeit Chem­nitz: Enga­giert für die Men­schen in Sach­sen«. Die Antho­lo­gie zeich­net auf 147 Sei­ten die Geschich­te des Ver­eins Neue Arbeit Chem­nitz e. V. (NAC) nach. Sie steht exem­pla­risch für vie­le enga­gierte Initia­ti­ven, die in den Jah­ren nach 1990 auf dem Gebiet der ehe­ma­li­gen DDR ent­stan­den sind. Her­vor­zu­he­ben ist die Leis­tung der Ver­eins­grün­de­rin Doris Mül­ler (*1937), die eben­falls am Pre­mie­ren­abend auf der Büh­ne ver­tre­ten war. Sie ist eine von meh­re­ren Zeit­zeu­gen, die im Buch von ihren Erfah­run­gen erzäh­len. Doris Mül­ler, gebo­ren 1937, arbei­te­te bis 1991 als Program­miererin im VEB Gerä­te­werk Karl-Marx-Stadt. 1991 wur­de sie Sozi­al­be­ra­te­rin, enga­gier­te sich in der IG Metall und gründe­te die Neue Arbeit Chem­nitz mit, deren Ers­te Vor­sit­zen­de sie wur­de. Fünf­zehn Jah­re arbei­te­te sie ehren­amt­lich als Kom­munalpolitikerin im Chem­nit­zer Stadtrat.

© Rohn­stock Bio­gra­fien und Stif­tung Neue Län­der in der Otto Bren­ner Stiftung

Das Beson­de­re an dem Buch ist, dass Akteu­re und Betei­lig­te unmit­tel­bar zu Wort kom­men und ihre Geschich­te erzäh­len – und damit auch die zahl­rei­chen Akti­vitäten und Pro­jek­te des NAC in den Blick­win­kel einer span­nenden Nach­er­zäh­lung rücken. Ent­stan­den ist so ein leben­diges und wirk­lich­keits­na­hes »Lese­buch«, das aus ers­ter Hand ein bun­tes und viel­schich­ti­ges Bild zeichnet.

Die im Buch ver­sam­mel­ten Geschich­ten gene­rier­te Rohn­stock Bio­gra­fien in Erzähl­sa­lons. Wegen der Coro­na­pan­de­mie traf Kat­rin Rohn­stock die ehe­ma­li­gen und derzeiti­gen Mit­ar­bei­ter des Ver­eins digi­tal: Im Video ­chat saßen sie vir­tu­ell an einem Tisch, real jedoch zuhau­se oder im Com­pu­ter­raum des Otto-Bren­ner-Hau­ses. Es wur­de beein­dru­ckend offen und ehr­lich erzählt – oft auch von beklem­men­den Erfah­run­gen. Die Erzäh­lun­gen wur­den vom Ber­li­ner Auto­bio­gra­fi­ker Ralf Pasch von der münd­li­chen Spra­che in die Schrift­spra­che über­setzt und zu einem gut les­ba­ren Text gebaut, wobei die authen­ti­schen Stim­men erhal­ten blie­ben. Anschlie­ßend auto­ri­sier­ten alle ihre Erzäh­lung. Die Geschich­ten wur­den so ver­floch­ten, dass sich das Buch als span­nen­de Geschich­te liest.

Das Buch­pro­jekt wur­de geför­dert von der Stif­tung Neue Län­der in der Otto Bren­ner Stif­tung, über die Druck­ex­em­pla­re kos­ten­los bestellt wer­den kön­nen.

Her­aus­ge­be­rin Kat­rin Rohn­stock (links) und NAC-Grün­de­rin Doris Mül­ler
beim Signie­ren der druck­fri­schen Exem­pla­re von »Arbeits­los, aber nicht wehrlos!«
Gut besuch­te Pre­mie­ren­ver­an­stal­tung im Indus­trie­mu­se­um Chem­nitz, inmit­ten einer
ehe­ma­li­gen Gie­ße­rei­hal­le der Werk­zeug­ma­schi­nen­fa­brik Her­mann und Alfred Escher AG