Buchpremiere: »30 Jahre Deutsche Einheit«

Am ers­ten August­sams­tag 2021 fei­er­te unser Pro­jekt »30 Jah­re Deut­sche Ein­heit: Dei­ne Geschich­te – Unse­re Zukunft« sei­nen Abschluss unter dem Baum­kro­nen­pfad in Beelitz-Heil­stät­ten bei Ber­lin. Gefei­ert wur­den nicht nur die 40 durch­ge­führ­ten Digi­ta­len Erzähl­sa­lons, in denen mehr als 250 Män­ner und Frau­en ihre Geschich­ten aus Ost­deutsch­land erzähl­ten, son­dern auch die Ver­öf­fent­li­chung des Buchs zur zwei­ten Staf­fel, in dem aus­ge­wähl­te Geschich­ten nach­zu­le­sen sind: »30 Jah­re Deut­sche Ein­heit: Dei­ne Geschich­te – Unse­re Zukunft. Trans­for­ma­ti­ons­ge­schich­ten aus Ost­deutsch­land« umfasst 382 Sei­ten vol­ler authen­ti­scher, bewe­gen­der und inspi­rie­ren­der bio­gra­fi­scher Erzählungen.

Im Mit­tel­punkt der Ver­an­stal­tung stan­den die Erfah­run­gen, die die Betei­lig­ten mit dem Pro­jekt gemacht hat­ten: So stell­te Chris­ti­ne Lie­ber­knecht (Thü­rin­ger Minis­ter­prä­si­den­tin a.D.), die als Juro­rin an der Aus­wahl der Geschich­ten für das Buch betei­ligt war, die Stär­ke des Erzähl­sa­lons her­aus: Er regt das Erin­nern an, regt an, aktiv zu wer­den, und ist stil­bil­dend, das bedeu­tet: Im Erzähl­sa­lon ler­nen die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer aus­zu­hal­ten, dass der ande­re eine eige­ne Posi­ti­on ver­tritt, die auf sei­nen eige­nen Erfah­run­gen grün­det. Sie kam gar zu dem Schluss, dass dem Pro­jekt ein Tou­ris­mus­wer­be­preis ver­lie­hen wer­den sol­le, denn durch die Geschich­ten der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer hat sie Ost­deutsch­land noch ein­mal ganz neu ken­nen­ge­lernt und Lust bekom­men, die Lau­sitz, den Flä­ming oder das Oder­bruch zu besu­chen. Die Medi­en­wis­sen­schaft­le­rin Man­dy Trö­ger, die an der ers­ten Staf­fel des Pro­jekts als Erzäh­le­rin teil­ge­nom­men hat­te und in der zwei­ten eben­falls als Juro­rin aktiv war, beton­te, wel­chen Wert die Geschich­ten auch für die Wis­sen­schaft haben: Hier wird nicht über die Ost­deut­schen gere­det – sie kom­men selbst zu Wort.

Chris­ti­ne Lie­ber­knecht erzählt von ihren Erfah­run­gen als Juro­ren des Pro­jekts; Foto: Kris­ti­na Rainer
Erzähl­sa­lon mit den Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern des Pro­jekts; Foto: Kris­ti­na Rainer

In einem klei­nen Erzähl­sa­lon beka­men die Teil­neh­mer des Pro­jekts selbst die Mög­lich­keit, ihre Erfah­run­gen als Erzäh­le­rin­nen und Erzäh­ler zu resü­mie­ren. Deut­lich wur­de, wie dank­bar sie waren, dass sie (im Erzähl­sa­lon) die Mög­lich­keit bekom­men hat­ten, ihre Geschich­te zu erzäh­len und: Ihnen wur­de zuge­hört. Das Team rund um Kat­rin Rohn­stock hat­te im gesam­ten Pro­jekt­ver­lauf dafür gesorgt, dass sie sich gut auf­ge­ho­ben fühl­ten und Ver­trau­en auf­bau­ten, um ihre Erfah­run­gen öffent­lich zu teilen.Christine Lieberknecht

Den Abschluss der Ver­an­stal­tung bil­de­te die Lesung aus dem Buch. Vier Erzäh­ler und eine Erzäh­le­rin lasen aus ihren eige­nen Geschich­ten. So hör­ten die gela­de­nen Gäs­te von der Sor­ge der Ber­li­ner Volks­po­li­zis­ten am 4. Novem­ber 1989, dass sie alle „auf­ge­hängt“ wer­den wür­den; von den bedrü­cken­den Erleb­nis­sen im Tor­gau­er Jugend­werk­hof, die den Erzäh­ler jedoch nicht bre­chen konn­ten; und vom jun­gen Bun­des­wehr­sol­da­ten, der als Nach­wen­de­kind den Stolz auf sei­ne ost­deut­sche Her­kunft auch ins Aus­land trägt.

Erzäh­le­rin­nen und Erzäh­ler lesen aus ihren Geschich­ten; Foto: Kris­ti­na Rainer

Im Anschluss an den offi­zi­el­len Teil der Ver­an­stal­tung erhiel­ten alle anwe­sen­den Erzäh­le­rin­nen und Erzäh­ler ihr ganz per­sön­li­ches Buch. Es gab viel Raum, sich aus­zu­tau­schen, zu ver­net­zen und nicht zuletzt einen ers­ten Blick in das neue Buch zu werfen.

Foto: Kris­ti­na Rainer

In neun Kapi­teln erzäh­len Frau­en und Män­ner, die ent­we­der aus Ost­deutsch­land stam­men, schon lan­ge hier leben oder enge Ver­bin­dun­gen in die Regi­on haben. Die sozia­le Band­brei­te reicht vom Natur­schüt­zer und der Hoch­schul­pro­fes­so­rin über den LKW-Fah­rer und die pen­sio­nier­te Leh­re­rin bis zur Bag­ger­fah­re­rin und zum Olym­pia­sie­ger. Ihre Geschich­ten han­deln von Gast­freund­schaft und Rei­se­fie­ber, von den Ver­än­de­run­gen in der Wirt­schafts­welt und wie es gelang, in tur­bu­len­ten Zei­ten ein Zuhau­se zu fin­den, wie sie der Sport beweg­te, was ihnen Natur und Hei­mat bedeu­ten und wie sie sich in Poli­tik und Gesell­schaft ein­brin­gen. Die ältes­te Erzäh­le­rin ist mit 93 Jah­ren Edel­traut Ley­kum aus Schwe­rin, einst lei­tend tätig beim VEB Kom­bi­nat Sport­ge­rä­te Ger­mi­na, die jüngs­te Erzäh­le­rin ist Adel Aryay­ev aus Saal­feld, die sich als 17-Jäh­ri­ge in ihren Schil­de­run­gen ihrer Fami­li­en­ge­schich­te wid­met, die um das Ende der Sowjet­uni­on und die Über­sied­lung nach Deutsch­land rankt.

»Kei­nes­falls gibt es die eine Geschich­te der Wie­der­ver­ei­ni­gung«, schreibt Pro­jekt­för­de­rer Mar­co Wan­der­witz, Beauf­trag­ter der Bun­des­re­gie­rung für die neu­en Bun­des­län­der in sei­nem den Erzäh­lun­gen vor­an­ge­stell­ten Gruß­wort: »Viel­mehr hat jede und jeder ihren und sei­nen indi­vi­du­el­len Blick dar­auf. Es ist wert­voll, die Geschich­ten in ihrer Ver­schie­den­heit wahr­zu­neh­men, weil das eine Form der Wert­schät­zung und Aner­ken­nung ist.  Indem sie erzählt und ange­hört wer­den, leis­ten sie einen wich­ti­gen Bei­trag, Unkennt­nis abzu­bau­en, Miss­ver­ständ­nis­se und Kon­flikt­po­ten­zi­al zu redu­zie­ren, Gemein­sam­kei­ten zu stif­ten und den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt zu stärken.«Das Buch kann ab sofort – wie bereits das Buch zur ers­ten Staf­fel – auf der Pro­jekt-Web­site www.deine-geschichte-unsere-zukunft.de kos­ten­frei her­un­ter­ge­la­den wer­den. Gedruck­te Exem­pla­re kön­nen unter info@rohnstock-biografien.de bestellt wer­den (6,50 € Bear­bei­tungs­ge­bühr).