Ein bunter Nachmittag bei den Sedlitzer DFB-Frauen

Erzählsalon Sedlitz mit dem DFB und Flüchtlingen in der Chronikstube im Bürgerhaus (17.02.2016) - Eindrücke aus dem Tagebau

Anknüp­fend an die über­ra­schen­de Begeg­nung im letz­ten Sed­lit­zer Erzähl­sa­lon zwi­schen den Damen des Demo­kra­ti­schen Frau­en­bun­des (DFB) und den Geflüch­te­ten aus dem benach­bar­ten Über­gangs­wohn­heim gab es am 17. Febru­ar nun ein wei­te­res span­nen­des Zusam­men­tref­fen – die­ses Mal bei den DFB-Frau­en in der Chro­nik­stu­be im Bür­ger­haus.

In Sed­litz gibt es noch eine sehr akti­ve Grup­pe vom DFB. Die Damen tref­fen sich zum Stri­cken, Schwat­zen, Bil­lard spie­len und ver­wal­ten die Biblio­thek sowie die Chro­nik­stu­be. Was die Frau­en alles auf die Bei­ne stel­len, impo­niert. Sie ver­fü­gen zudem über einen gro­ßen Schatz: Wis­sen über die Regi­on! Vie­le Mit­glie­der arbei­te­ten vor ihrer Ren­te im Berg­bau oder in der Ener­gie­pro­duk­ti­on und las­sen sich bis heu­te nicht die But­ter vom Brot neh­men. Ihre Kin­der und Enkel dage­gen haben die Regi­on auf der Suche nach Arbeit ver­las­sen und hin­ter­las­sen eine Lücke.

Erzählsalon Sedlitz mit dem DFB und Flüchtlingen in der Chronikstube im Bürgerhaus (17.02.2016) - Erklärungen

Zugleich gibt es im Über­gangs­wohn­heim wiss­be­gie­ri­ge jun­ge Män­ner. In die­sen Wohn­hei­men herrscht oft Lan­ge­wei­le. Sie sind eigent­lich nur zur Über­brü­ckung gedacht, aber in der Rea­li­tät geht es zu wie auf einem Bahn­steig, auf des­sen Anzei­ge steht: »Der Zug hat Ver­spä­tung und kommt in zehn Minu­ten«. Doch die Zeit wird nicht kür­zer, es blei­ben immer zehn Minu­ten. Die­se jun­gen Men­schen haben meist kei­ne Mög­lich­keit, etwas über die Regi­on, in der sie jetzt leben zu ler­nen. Das soll sich ändern. Des­halb luden wir und der DFB Inter­es­sier­te an einen Tisch in die Chro­nik­stu­be.

Unser Erzähl­sa­lon ent­wi­ckel­te sich zu einem bun­ten Rei­gen ver­gnüg­li­cher Geschich­ten  rund um den Tage­bau. Her­aus­for­de­rung Num­mer Eins war über­ra­schen­der­wei­se nicht die Spra­che – Eng­lisch kön­nen die Meis­ten sehr gut und für die Ande­ren wur­de auf Ara­bisch über­setzt. Viel­mehr fehlt das grund­le­gen­de Ver­ständ­nis über regio­na­le Beson­der­hei­ten, da es im ara­bi­schen Raum kei­ne Koh­le gibt. Dort gibt es Öl.

Erzählsalon Sedlitz mit dem DFB und Flüchtlingen in der Chronikstube im Bürgerhaus (17.02.2016) - BrikettFix wur­den die Gedenk­bri­ketts aus dem Archiv geholt. Schö­ne Exem­pla­re, die zur Erin­ne­rung des sech­zigs­ten Jah­res­ta­ges der Grün­dung der UdSSR her­aus­ge­ge­ben wur­den. Die jun­gen Män­ner beka­men so die Mög­lich­keit, den Roh­stoff zu begut­ach­ten, auf wel­chem die Ent­wick­lung der Regi­on Lau­sitz basier­te. Die Erklä­run­gen über den Ablauf eines Tage­baus wur­den mit Bil­dern unter­malt.

Manch­mal fiel die Kom­mu­ni­ka­ti­on den­noch schwer, denn die eng­li­schen Begrif­fe für Wör­ter wie För­der­brü­cke (con­veyor bridge) und Schau­fel­rad­bag­ger (bucket-wheel exca­va­tor) sind nicht gera­de all­tags­ge­bräuch­lich.

 

Erzählsalon Sedlitz mit dem DFB und Flüchtlingen in der Chronikstube im Bürgerhaus (17.02.2016) - HandyDie anfäng­li­che Zurück­hal­tung der Zuhö­re­rin­nen wan­del­te sich rasch in Neu­gier­de auf­ein­an­der um. Die Geflüch­te­ten erzähl­ten im Aus­tausch woher sie kom­men, was sie bis zum Aus­bruch des Krie­ges taten und was sie auf ihrer Flucht erleb­ten. Es blieb einem nichts ande­res übrig als zu stau­nen über die Lebens­ge­fah­ren und Ent­beh­run­gen, wel­che die­se Men­schen auf sich genom­men hat­ten, um hier­her zu kom­men.

Scher­ze über kul­tu­rel­le Unter­schie­de und Gemein­sam­kei­ten bewahr­ten bei all­dem die locke­re Stim­mung und es wur­de viel gelacht.

Wir freu­en uns, ein biss­chen Hei­mat­kun­de für die ver­meint­lich Frem­den ver­an­stal­tet zu haben und hof­fen auf ein bal­di­ges Wie­der­se­hen.


Alles über das Lau­sitz-Pro­jekt fin­den Sie auf der Web­site www.lausitz-an-einen-tisch.de.