Erzählsalon: Geschichte(n) des Büromaschinenwerks Sömmerda

Wirt­schafts­ge­schich­te leben­dig und span­nend zu erzäh­len, ist die Inten­ti­on der Ver­an­stal­tung »Söm­mer­da­er Lebens­leis­tun­gen – Die Geschichte(n) des Büro­ma­schi­nen­werks«. Dazu laden wir ehe­ma­li­ge Ent­schei­de­rIn­nen und Mit­ar­bei­te­rIn­nen des VEB Robo­tron Söm­mer­da zu einem Erzähl­sa­lon ein:

Am 14.03.2019 um 19:30 Uhr
im Vor­trags­saal im Drey­se-Haus Söm­mer­da, Wei­ßen­se­er Stra­ße 15.

Das Publi­kum ist auf­ge­ru­fen, sich mit per­sön­li­chen Geschich­ten am Erfah­rungs­aus­tausch zu betei­li­gen. Zum Auf­takt der Ver­an­stal­tung wird die Auto­bio­gra­fie von Karl Nen­del, dem »Gene­ral der Mikro­elek­tro­nik«, vor­ge­stellt.

Erzähl­sa­lon im Pro­jekt »Kom­bi­nats­di­rek­to­ren erzäh­len« mit Iris Glei­cke, Ost­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung a.D. (4 .v. r.), Sep­tem­ber 2017 in Ber­lin.

Der Ein­tritt ist frei, die Plät­ze sind begrenzt. Wir bit­ten um Ihre ver­bind­li­che Anmel­dung bei Bar­ba­ra Spei­ser unter 03634 69 29 855.

Die Geschichte

Im VEB Robo­tron-Büro­ma­schi­nen­werk »Ernst Thäl­mann« Söm­mer­da wur­de in den 1980er-Jah­ren der Bau der ers­ten klei­nen DDR-Com­pu­ter, der PCs, vor­an­ge­trie­ben. 13.000 Men­schen arbei­te­ten hier. Gan­ze Genera­tio­nen ver­dien­ten ihr Geld mit hoch­prä­zi­ser Mecha­nik.
Der Betrieb besaß seit 1817 eine lan­ge eigen­stän­di­ge Tra­di­ti­on. Seit 1920 wur­den Schreib- und Rechen­ma­schi­nen Mar­ke »Rhein­me­tall« her­ge­stellt, ab 1953 Kame­ras und Loch­kar­ten­tech­nik, ab 1975 Buchungs- und Fak­tu­rier­au­to­ma­ten sowie Seri­en­dru­cker. Bis vor der Wen­de waren es vor allem der Per­so­nal­com­pu­ter PC 1715 und Dru­cker, die Indus­trie­ge­schich­te schrie­ben. Fast 100.000 Stück des PC 1715 zu einem Aus­gangs­stück­preis von knapp 20.000 DDR-Mark wur­den bis zur Wen­de gebaut. Heu­te sind sie begehr­te und teu­re Samm­ler­stü­cke.

Karl Nendel – die Autobiografie

Karl Nen­del (1930–2018) beklei­de­te von Juli 1976 bis Novem­ber 1989 das Amt des Staats­se­kre­tärs im Minis­te­ri­um für Elek­tro­tech­nik und Elek­tro­nik der DDR (MEE). Als sol­cher stand er den staat­li­chen Lei­tungs­grup­pen »CAD/CAM« sowie »Daten­netz« vor und fun­gier­te dar­über hin­aus ab 1977 als Regie­rungs­be­auf­trag­ter für die Mikro­elek­tro­nik. So gewann Nen­del auch Ein­fluss auf die Com­pu­ter­schmie­de der DDR, den VEB Kom­bi­nat Robo­tron.

Seit zwei Jah­ren wird die Auto­bio­gra­fie von Karl Nen­del an Stand­or­ten der DDR-Mikro­elek­tro­nik sowie ehe­mals wich­ti­gen Zulie­fer­wer­ken vor­ge­stellt. Her­aus­ge­be­rin Kat­rin Rohn­stock und ihr Team bega­ben sich dafür bereits auf Lese­rei­sen durch Ber­lin, Bran­den­burg, Thü­rin­gen und Sach­sen. Dort dis­ku­tier­ten sie mit ehe­ma­li­gen Werk­tä­ti­gen in der Mikro­elek­tro­nik: vom Bri­ga­dier über Direk­tor For­schung und Ent­wick­lung bis hin zum Pro­duk­ti­ons­lei­ter und Gene­ral­di­rek­tor.

In sei­ner Auto­bio­gra­fie berich­tet Karl Nen­del über die Erfol­ge sowie die Irrun­gen und Wir­run­gen beim Auf­bau der soge­nann­ten Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en. Bri­san­ter Höhe­punkt ist der kurz vor der Wen­de öffent­lich­keits­wirk­sam prä­sen­tier­te 1-Mega­bit-Chip. Nen­dels Erin­ne­run­gen geben einen tie­fen Ein­blick in die Wirt­schafts­po­li­tik der SED, die Leis­tun­gen, die erbracht wur­den, und die immensen Schwie­rig­kei­ten, die es zu über­win­den galt.