Die Margaschen erinnern sich an ihr reges Vereinsleben

In den Wochen vor Kar­ne­val war das Birk­chen in Mar­ga Anlauf­punkt für vie­le klei­ne und gro­ße Nar­ren. Sie stö­ber­ten im Kos­tüm­fun­dus der hier ange­sie­del­ten Nie­der­lau­sit­zer Kunst­schu­le. Auch als unter dem Dach des Ver­eins­hau­ses am 19. Janu­ar der ers­te dies­jäh­ri­ge Erzähl­sa­lon statt­fand, muss­te Dör­te Mat­t­hies, Vize-Vor­sit­zen­de des Birk­chens, noch rasch in die Klei­der­kam­mer, um Faschings­freun­den bei der Kos­tüm­su­che zu hel­fen – wäh­rend im Ver­samm­lungs­raum bereits ers­te Geschich­ten erzählt wur­den.

Erzählsalon Marga im Birkchen (19.01.2016) - 1

„In Mar­ga ist was los!” – Ein Satz, der den alt­ein­ge­ses­se­nen Bewoh­nern der Gar­ten­stadt frü­her sehr viel selbst­ver­ständ­li­cher über die Lip­pen ging als heu­te. Dar­in waren sich die Teil­neh­mer des Erzähl­sa­lons einig, als sie der Ver­gan­gen­heit des einst regen Ver­eins­le­bens in die­sem Orts­teil von Senf­ten­berg nach­spür­ten.

Maria Leh­mann erzähl­te von ihrer Arbeit im Kera­mik­zir­kel in den 70er-Jah­ren, als sie 10 bis 15 Kin­der in einer Grup­pe betreu­te. „Wir muss­ten uns den Ton von der Hal­de des Tage­baus besor­gen“, erzähl­te sie. „Wir konn­ten ihn nicht ein­fach kau­fen. Er wur­de geschlemmt, gestampft und geschla­gen, damit wir mit ihm arbei­ten konn­ten.“ Es gab damals eine Men­ge zu tun: Der Kera­mik­zir­kel stell­te zu DDR-Zei­ten Auf­trags­ar­bei­ten her, z.B. für den Jugend­wett­be­werb „Die Mes­se der Meis­ter von mor­gen“ oder für die deutsch-pol­ni­schen Kul­tur­ta­ge der Berg­leu­te. Als 1973 der ers­te Strand­ab­schnitt des Senf­ten­ber­ger Sees eröff­net wur­de, fer­tig­te Leh­mann mit ihren Kin­dern für die­sen Fest­akt eigens Kacheln an. „Unse­re Pro­duk­te waren sehr attrak­tiv, sie wur­den bei Aus­stel­lun­gen hin und her gereicht“, erin­ner­te sich die Lei­te­rin des Kera­mik­zir­kels, der heu­te als AG unter dem Dach des Birk­chens behei­ma­tet ist.

Erzählsalon Marga im Birkchen (19.01.2016) - 2Seit der Wen­de ist es sehr viel ruhi­ger gewor­den. Für Maria Leh­manns Kera­mik­zir­kel – aber auch im Mar­ga­er Ver­eins­le­ben gene­rell. Oft bleibt die Orga­ni­sa­ti­on an zu weni­gen Men­schen hän­gen. Als Dör­te Mat­t­hies mit eini­ger Ver­spä­tung am Erzähl­sa­lon-Tisch saß, erzähl­te sie, wie schwer es sei, die Ver­eins­ar­beit im Birk­chen ohne ent­spre­chen­de Mit­tel zu gewähr­leis­ten. Der Auf­wand sei zu groß. „Es ist ver­dammt schwie­rig, wenn man manch­mal zu nichts ande­rem kommt als sau­ber zu machen“, erzähl­te sie. Und auch ehren­amt­li­che Arbeit müs­se orga­ni­siert und koor­di­niert wer­den, so die stell­ver­tre­ten­de Birk­chen-Vor­sit­zen­de.

Die Erzähl­sa­lon-Teil­neh­mer waren über­zeugt davon, dass es in Mar­ga genü­gend Poten­ti­al für rege Kul­tur­ar­beit gibt. Pro­ble­ma­tisch sei jedoch, dass vie­le Ver­tre­ter des frü­he­ren Ver­eins­le­bens weg­ge­zo­gen sind und dass zu wenig gemein­schaft­li­che Treff­punk­te exis­tie­ren. Für Zuge­zo­ge­ne ist Mar­ga bzw. Bries­ke vor allem Wohn­ge­gend. Zum Arbei­ten, Ein­kau­fen und Ver­gnü­gen fah­ren sie in benach­bar­te Orte oder gar nach Cott­bus, Dres­den und Ber­lin. Damit Mar­ga als Lebens­mit­tel­punkt wie­der erfahr­ba­rer wird, braucht es aber auch die vie­len neu Zuge­zo­ge­nen. Sie sind zusam­men mit den alt­ein­ge­ses­se­nen Bewoh­nern des Orts­teils ein­ge­la­den, beim nächs­ten Erzähl­sa­lon im Birk­chen zu erzäh­len, wel­che Erwar­tun­gen sie an die Zukunft ihrer Hei­mat haben. Des­halb lau­tet das The­ma am Diens­tag, den 23. Febru­ar 2016, um 17 Uhr: „Was ich mir für Mar­ga wün­sche“.


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