Ostdeutschland aus der Seele gesprochen: Veränderungsreiche Erfahrungen in Buchform

Aus­ge­wähl­te Geschich­ten aus der ers­ten Staf­fel unse­rer Digi­ta­len Erzähl­sa­lons zum Ein­heits­ju­bi­lä­um wur­den von Auto­bio­gra­fi­kern in die Schrift­spra­che über­setzt und sind jetzt in einem E-Book erschie­nen. Die Antho­lo­gie ist für jeder­mann kos­ten­los erhältlich. 

Fast 140 Erzäh­le­rin­nen und Erzäh­ler ver­schie­de­nen Milieus, Her­kunft und Alters teil­ten in der ers­ten Staf­fel der Rei­he »30 Jah­re Deut­sche Ein­heit: Dei­ne Geschich­te – Unse­re Zukunft« ihre Erin­ne­run­gen an die Umbruchs­jah­re nach 1990 – nicht sel­ten ver­bun­den mit einem Blick zurück in die Zeit der DDR. Ihre Erzäh­lun­gen wur­den zwi­schen Juni und August ver­gan­ge­nen Jah­res live via You­Tube aus­ge­strahlt und sind dort jeder­zeit abruf­bar. Die von Rohn­stock Bio­gra­fien kon­zi­pier­te und orga­ni­sier­te Ver­an­stal­tungs­rei­he läuft inzwi­schen in der zwei­ten Staf­fel (noch bis Ende April 2021). Eine Aus­wahl der Erzäh­lun­gen ist nun in einem elek­tro­ni­schen Buch erschie­nen, das alle Inter­es­sier­ten hier kos­ten­los lesen und als PDF her­un­ter­la­den kön­nen (9,3 MB). Die Antho­lo­gie wird ab Janu­ar 2021 auch über­all dort erhält­lich sein, wo es E-Books gibt.

Eine Jury, besetzt mit Ver­tre­tern aus Poli­tik, Medi­en, Kul­tur und Wis­sen­schaft, wähl­te im Herbst die »inter­es­san­tes­ten« Geschich­ten aus. Die Kri­te­ri­en, nach denen die Erzäh­lun­gen bewer­tet wur­den, lau­te­ten u.a. Enga­ge­ment, Ori­gi­na­li­tät, Inno­va­ti­on und Mut. Ziel war eine mög­lichst aus­ge­wo­ge­ne Zusam­men­stel­lung von Geschich­ten, die die Viel­falt der Erfah­run­gen aus den Erzähl­sa­lons authen­tisch wie­der­gibt. Die aus­ge­wähl­ten münd­li­chen Erzäh­lun­gen, 60 Geschich­ten von 62 Erzäh­len­den, wur­den anschlie­ßend tran­skri­biert und ver­schrift­licht, das heißt, lite­ra­ri­siert – nach der Metho­de von Rohn­stock Bio­gra­fien. Die Erzäh­le­rin­nen und Erzäh­ler beka­men die ver­schrift­lich­ten Fas­sun­gen vor­ge­legt, damit sie ihre eige­nen Geschich­ten prä­zi­sie­ren und mit für sie wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen anrei­chern konn­ten. Die­se 60 auto­ri­sier­ten Fas­sun­gen lie­gen nun in die­ser Antho­lo­gie vor.

In neun Kapi­teln, auf 280 Sei­ten, erzäh­len Frau­en und Män­ner, die ent­we­der aus den neu­en Bun­des­län­dern stam­men, hier seit vie­len Jah­ren leben oder enge fami­liä­re Ver­bin­dun­gen in den Osten haben. Wie ver­än­der­te sich für sie der Zugang zu Arbeit, Gesund­heit und Bil­dung? Wor­an schei­ter­ten sie in der sozia­len Markt­wirt­schaft, wel­che neu­en Chan­cen taten sich auf? Wie enga­gie­ren sie sich seit 1990 in der Poli­tik? Wie begeg­net ihnen Migra­ti­on? Und was bedeu­tet ihnen Hei­mat? Das Buch ver­sam­melt die Hoff­nun­gen und Ent­täu­schun­gen, den Mut und den Kum­mer, zeigt, wo die Men­schen lit­ten und was sie für die Zukunft lern­ten – nicht sel­ten ver­bun­den mit einem ver­glei­chen­den Blick zurück in die DDR. Und stets schwingt in den Tex­ten die Beson­der­heit des ihnen zugrun­de­lie­gen­den Ver­an­stal­tungs­for­mats mit: ein Erzähl­ton auf Augen­hö­he, frei von poli­ti­scher Agen­da und Dis­kus­si­on, vol­ler Taten­drang, Nach­denk­lich­keit und auch Selbst­kri­tik. Ältes­ter Erzäh­ler ist mit 93 Jah­ren Heinz Birch aus Ber­lin, DDR-Diplo­mat, bis 1990 Bot­schaf­ter in Kana­da; jüngs­ter mit 16 Jah­ren Leon Schwal­be aus Saal­feld, Lan­des­schü­ler­spre­cher für Gym­na­si­en in Thüringen.

»Es gibt nicht die eine Geschich­te der Deut­schen Ein­heit, son­dern sehr vie­le indi­vi­du­el­le, die sich von­ein­an­der unter­schei­den«, schreibt Pro­jekt-För­de­rer Mar­co Wan­der­witz, Beauf­trag­ter der Bun­des­re­gie­rung für die neu­en Bun­des­län­der in sei­nem dem Buch vor­an­ge­stell­ten Gruß­wort. »Wir alle kön­nen aus die­sen Geschich­ten ler­nen. Sie sind in ihrer Authen­ti­zi­tät sehr wert­voll.« Die sozia­le Band­brei­te der Erzäh­len­den reicht von der Ver­käu­fe­rin und dem Agrar­in­ge­nieur über den Hartz-IV-Emp­fän­ger und die Diplom­wis­sen­schaft­le­rin bis zum Maschi­nen­schlos­ser und zur Unter­neh­me­rin. Sie teil­ten ihre Geschich­ten in den zehn über­re­gio­na­len Erzähl­sa­lons der ers­ten Staf­fel, die all­ge­mei­ne Schwer­punk­te wie »Kon­sum«, »Frau­en« und »Fami­lie« zum The­ma hat­ten, bzw. in den zehn lokal ver­or­te­ten Ver­an­stal­tun­gen, in denen die Umbruchs­jah­re aus­ge­wähl­ter ost­deut­scher Regio­nen im Fokus stan­den. Die­se Auf­tei­lung wur­de auch für die zwei­te Staf­fel der Rei­he vor­ge­nom­men, die seit Anfang Novem­ber 2020 läuft. Der nächs­te regio­na­le Erzähl­sa­lon fin­det statt am 12. Janu­ar 2021, um 18 Uhr zum Schwer­punkt »Dübe­ner Hei­de«, der nächs­te über­re­gio­na­le am 2. Febru­ar 2021, um 18 Uhr zum The­ma »Land­wirt­schaft«.

Alle bereits gelau­fe­nen Digi­ta­len Erzähl­sa­lons sowie die The­men und Ter­mi­ne der noch bevor­ste­hen­den sind abruf­bar auf der Web­sei­te des Pro­jekts: www.deine-geschichte-unsere-zukunft.de.