Was ich mir für Geierswalde wünsche – Ein aufregender Erzählsalon in der Grubenlampe

Neun Erzäh­ler kamen in den 4. Gei­ers­wal­der Erzähl­sa­lon in der „Gru­ben­lam­pe“: Neu Zuge­zo­ge­ne, Alt-Ein­ge­ses­se­ne sowie ein jun­ger Dorf­be­woh­ner, des­sen Fami­lie schon lan­ge im Dorf lebt. Arbei­ter und Leh­rer, Alte und Jun­ge – ver­sam­melt an einem Tisch. Zu Gast war Frau Dr. Eisen­berg, Geschäfts­füh­re­rin vom Lau­sitz e.V..

Geierswalder Erzählsalon in der Grubenlampe (25.11.2015) - 1Als ers­ter erzähl­te der ehe­ma­li­ge Instand­set­zer, der sich spä­ter zum Meis­ter qua­li­fi­zier­te, aus sei­nem Arbeits­le­ben im Tage­bau – wit­zig und freu­dig, zuwei­len span­nend wie ein Kri­mi. Er ist stolz auf sei­ne Arbeit und Leis­tung – fünf Mal wur­de er als Akti­vist aus­ge­zeich­net. Sei­ne Frau, ehe­ma­li­ge Anla­gen­fah­re­rin am För­der­band, ergänz­te ihn.

 

Geierswalder Erzählsalon in der Grubenlampe (25.11.2015) - 2Ohne Umschwei­fe wur­de dann zum The­ma des Abends über­ge­schwenkt. „Was ich mir für Gei­ers­wal­de wün­sche“. Dazu woll­ten alle Anwe­sen­den spre­chen. Dabei ent­spann sich eine lei­den­schaft­li­che Debat­te, bei der kein Blatt vor den Mund genom­men wur­de: Der Ver­lust der dörf­li­chen Atmo­sphä­re Gei­ers­wal­des als Teil einer beson­de­ren Lebens­qua­li­tät wur­de von allen beklagt. Dar­un­ter wird nicht nur die dörf­li­che Ruhe ver­stan­den, die durch den star­ken Tou­ris­mus emp­find­lich gestört ist.

Beson­ders wird der Man­gel an dörf­li­cher Gemein­schaft und das Feh­len von Gemein­sinn betrau­ert. Gab es vor zehn Jah­ren noch vie­le gemein­sa­me Dorf­fes­te und Akti­vi­tä­ten, tref­fen die Dorf­be­woh­ner heu­te viel sel­te­ner auf­ein­an­der. Eine Frau zitier­te einen Alt-Bun­des­bür­ger: „Ver­gesst Eure Soli­da­ri­tät unter­ein­an­der nicht. So etwas gibt es bei uns nicht.“

Was sind die Hin­ter­grün­de für das Aus­ein­an­der­trif­ten der Gemein­schaft? Zwar ist schon lan­ge abseh­bar, dass Gei­ers­wal­de sich zu einem tou­ris­ti­schen Ort ent­wi­ckeln wird, aber von der schnel­len Ent­wick­lung wird es über­rollt – im wahrs­ten Sin­ne – durch den Auto-Ver­kehr. Das zer­reißt das Dorf:  Die Ein­woh­ner ver­mis­sen Unter­stüt­zung durch die Gemein­de. Sie haben das Gefühl, es wird über ihre Köp­fe hin­weg ent­schie­den. Gefor­dert wird ein gestal­te­ter Umgang; ein Tou­ris­mus­ma­na­ger, eine Stabs­stel­le Tou­ris­mus.

Die Emo­tio­nen koch­ten hoch, denn die Bewoh­ner füh­len sich ohn­mäch­tig. Dabei gibt es vie­le Ide­en und Vor­schlä­ge, die Lage zu ver­bes­sern, wie gemein­schaft­lich ein Leit­bild zu ent­wi­ckeln  – aber sie wer­den nicht gehört.

Geierswalder Erzählsalon in der Grubenlampe (25.11.2015) - 3Wie auf dem Thea­ter wur­den die Mei­nun­gen laut­stark vor­ge­tra­gen – das rei­nigt und befreit die See­le. In der lei­den­schaft­li­chen Debat­te kamen end­lich Ent­täu­schung und  ange­stau­te Wut der letz­ten Jah­re auf den Tisch. Das ist gut. Denn in die­sem Enga­ge­ment zeigt sich die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Ort und das Inter­es­se an sei­ner Mit­ge­stal­tung.  End­lich hat der Erzähl­sa­lon auch hier sei­ne Mis­si­on gefun­den: „Gei­ers­wal­de an einen Tisch“.

Geierswalder Erzählsalon in der Grubenlampe (25.11.2015) - 4Indem gemein­sam Geschich­ten erzählt und die Wün­sche aus­ge­tauscht wer­den, kann ein neu­es Gemein­schafts­ge­fühl ent­ste­hen.  Alle Teil­neh­mer wünsch­ten sich einen Dis­kus­si­ons­pro­zess, der mit allen Ein­woh­nern geführt wird, so dass die unter­schied­li­chen Inter­es­sen aus­ge­spro­chen und mit­ein­an­der ver­han­delt wer­den. Der Erzähl­sa­lon wird als eine Ver­an­stal­tungs­form begrif­fen, in der das gelin­gen kann.

Die Teil­neh­mer wün­schen sich, das The­ma ein wei­te­res Mal auf die Tages­ord­nung zu set­zen – und alle Gei­ers­wal­der ein­zu­la­den mit Hil­fe des Kuchen­bret­tes  – eine Gei­ers­wal­der Tra­di­ti­on zur Ver­stän­di­gung im Ort. Doch zuvor, in der Fast­nach­zeit, tref­fen sich die Gei­ers­wal­der erst ein­mal zum Zam­pern.


Alles über das Lau­sitz-Pro­jekt fin­den Sie auf der Web­site www.lausitz-an-einen-tisch.de.