Einblicke in die Welt der Jesiden

Mein Leben im Schatten der Blutrache

Kat­rin Rohn­stock
und Ralf Pasch
Deut­scher Taschen­buch­ver­lag
Mün­chen 2008, 240 S.
Preis: € 11, 90
ISBN: 978-3423344807

Eine Brücke zwischen Orient und Okzident

Wie gelingt eine erfolg­rei­che Inte­gra­ti­on geflüch­te­ter Men­schen in Deutsch­land? Dar­über tobt der­zeit eine hef­ti­ge poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Debat­te. Es sind vor allem Men­schen aus Syri­en und dem Irak, die vor dem „Isla­mi­schen Staat” flie­hen und bei uns Zuflucht suchen. Unter ihnen sind vie­le Jesi­den, Ange­hö­ri­ge einer kaum bekann­ten reli­giö­sen Min­der­heit. Doch wer sind die Jesi­den? Wel­chem Glau­ben gehö­ren sie an? Wie leben sie ihre jesi­di­sche Kultur?

Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen kön­nen für eine erfolg­rei­che Inte­gra­ti­on, für ein gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis und gemein­sa­mes Mit­ein­an­der in unse­rer Gesell­schaft nütz­lich sein. Und Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen lie­fert eins der weni­gen Bücher, die bis­her zur jesi­di­schen Kul­tur erschie­nen sind:

»Mein Leben im Schat­ten der Blut­ra­che. Die Geschich­te der Gül­naz Bey­az« erzählt vom Leben einer jun­gen jesi­di­schen Kur­din in Deutsch­land, die zum einen im moder­nen Deutsch­land ankom­men,  zum ande­ren ihre Tra­di­tio­nen pfle­gen und wei­ter­ge­ben will. Nach einer lan­gen Zeit vol­ler Schlä­ge und Demü­ti­gun­gen lässt sich Gül­naz Bey­az von ihrem Mann schei­den. Damit hat sie die Ehre des Man­nes und des­sen Fami­lie ver­letzt. Eine Spi­ra­le der Blut­ra­chen setzt sich in Gang.

Kat­rin Rohn­stock und Ralf Pasch haben die Lebens­ge­schich­te der Gül­naz Bey­az auf­ge­schrie­ben. Gleich­zei­tig erzäh­len die Autoren von der Kul­tur­ge­schich­te der Jesi­den, ihren Ritua­le, Wer­ten und Denk­wei­sen. Wer das Schick­sal der Jesi­den ver­ste­hen möch­te, muss die­ses Buch lesen.

Der Pressespiegel zum Buch

Rezen­si­on in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung vom 25. April 2008

Karen Krü­ger ist beein­druckt von die­sem Buch. Es lie­fert ein tie­fes Ver­ständ­nis für die jesi­di­sche Kul­tur. Das sei vor allem des­we­gen mög­lich, weil die Autoren Kat­rin Rohn­stock und Ralf Pasch ihre Erkennt­nis­se auf Grund­la­ge von Gerichts­ak­ten, Gesprä­chen und einer Rei­se in die tür­ki­sche Hei­mat der Prot­ago­nis­tin gewin­nen konn­ten. Gül­naz Bey­az, so Krü­ger, habe einen Mut und eine Kraft, die Bewun­de­rung ver­dient. Zugleich merkt Krü­ger an, dass Gül­naz in der jesi­di­schen Gemein­schaft gefan­gen ist, zu stark sind die fami­liä­ren Bin­dun­gen und Tra­di­tio­nen. Zur aus­führ­li­chen Rezension

Rezen­si­on im Neu­en Deutsch­land vom 23. Febru­ar 2009

Auch Dirk Ras­mus­sen lobt die Arbeit der Autoren Rohn­stock und Pasch. Ihre jah­re­lan­ge Klein­ar­beit, die Recher­chen zur bis­her kaum erforsch­ten jesi­di­schen Kul­tur und die Geschich­ten­samm­lun­gen der Jesi­den mach­te es den Autoren mög­lich, mit Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und erzäh­le­ri­schem Geschick die Geschich­te von Bey­az zu schil­dern. Rass­mus­sen schätzt den Mut der Prot­ago­nis­tin Bey­az, ihre Geschich­te zu erzäh­len. Der Wert die­ser Geschich­te lie­ge dar­in, einen Ein­blick in die Welt der Jesi­den zu gewäh­ren, die mit­ten unter uns leben, aber uns doch fremd sind. In die­sem Sin­ne bil­de das Buch laut Rass­mus­sen eine Brü­cke zwi­schen Ori­ent und Okzi­dent. Die Leser wür­den für eine frem­de Kul­tur sen­si­bi­li­siert und neben­her noch so span­nend unter­hal­ten wie in einem Kri­mi. Zur aus­führ­li­chen Rezension

Rezen­si­on auf e-politik.de vom 28. Mai 2008

Samu­el Mül­ler über­rascht die Aus­ge­wo­gen­heit des Buches. Trotz der Ich-Per­spek­ti­ve flie­ßen posi­ti­ve wie nega­ti­ve Sei­ten der jesi­di­schen Tra­di­tio­nen in die Erzäh­lung ein. Mül­ler merkt dazu an: »Ganz und gar nicht rei­ße­risch oder ein­sei­tig durch­lebt der Leser auf die­se Wei­se die Lebens­sta­tio­nen der Prot­ago­nis­tin – wobei nicht allein Patri­ar­chat und Mord, son­dern eben­so die posi­ti­ven Sei­ten des sozia­len Zusam­men­halts oder rau­schen­de Fes­te eine wich­ti­ge Rol­le spie­len.« Das Buch sei auch des­we­gen aus­ge­wo­gen, weil Bey­az’ sub­jek­ti­ve Erleb­nis­se durch Erklä­run­gen zur jesi­di­schen Reli­gi­on ergänzt wer­den. Mül­ler sieht dar­in die Stär­ke des Buches. Neben Ein­bli­cken in Reli­gi­on und Kul­tur der Jesi­den, ergrün­de das Buch auch die Logik von Blut­ra­che und Ehren­mord - und das auf sehr kla­re Wei­se. Zur aus­führ­li­chen Rezension

Rezen­si­on im Vor­wärts vom 7. Juli 2008

Son­ja Gur­ris betont die beson­de­re Dra­ma­tik, die die­ses Buches schaf­fe. Bey­az wer­de öffent­lich und vor Gericht für einen Ehren­mord ver­ant­wort­lich gemacht, den sie selbst ver­ach­tet. Dies mache die Geschich­te so spek­ta­ku­lär und span­nend, sodass der Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen kön­ne. Gur­ris hebt zudem die Rol­le von Bey­az her­vor: »Gül­naz Bey­az ist eine Frau, die sich nicht zwi­schen Reli­gi­on, Fami­lie und Frei­heit ent­schei­den möch­te. Sie kämpft ent­schlos­sen für ein frei­es, selbst­be­stimm­tes Leben. Die Kur­din ist somit Vor­bild für ande­re unter­drück­te Frau­en.« Das Buch sei des­we­gen vor allem Frau­en zu emp­feh­len. Zur aus­führ­li­chen Rezension