Großer Andrang beim Kiez-Erzählsalon über den Prenzlauer Berg

Der Bürg­er­meis­ter von Pankow, Sören Benn (1.v.r.), begrüßt die Gäste im Erzählsa­lon, bevor er selb­st eine Geschichte erzählt.

Das The­ma „Mein schön­stes Erleb­nis im Kiez“ lock­te am 19. Sep­tem­ber 2017 mehr als 30 Gäste zum Erzählsa­lon ins kul­tur­af­fine Myer’s Hotel im Pren­zlauer Berg. Sören Benn, Pankows Bürg­er­meis­ter, steuerte eine Geschichte als Ehren­gast bei. Weit­ere Kiez-Bewohner­In­nen und auch TouristIn­nen erzählten ihre Geschicht­en über den Pren­zlauer Berg-Kiez. Den Erzählsa­lon führte führte Rohn­stock Biografien in Zusam­me­nar­beit mit Vis­it­Ber­lin durch.

Ein Gast­beitrag unser­er Prak­tikan­tin Sina Andreas

Geschichten geben Einblick ins Kiezleben

Ins­ge­samt schilderten zwölf Teil­nehmerIn­nen Geschicht­en aus ihrem Kiez – dem Pren­zlauer Berg. Das The­men­spek­trum war groß: Die Geschicht­en erzählten von ver­schiede­nen zei­this­torischen Kon­tex­ten, von Zuzü­gen und dem damit ver­bun­de­nen Ein­leben in der neuen Umge­bung, aber auch von Prob­le­men im Kiez. Obwohl sich die Geschicht­en sehr unter­schieden, gab jede von ihnen sehr inter­es­sante und span­nende Ein­blicke in die Heimat der Bewohner­In­nen des Pren­zlauer Bergs. Einige der Geschicht­en waren eng miteinan­der ver­bun­den, während andere von völ­lig anderen Kon­tex­ten erzählten.

Der gemütliche Salon des Myer’s Hotels trug zur angenehmen Erzähl-Atmo­sphäre bei.

Drei Geschicht­en waren beson­ders ein­prägsam. In ihrer Woh­nung fan­den eine Erzäh­lerin und ihr Mann beim Einzug im Jahr 1985 Briefe aus den 1930er Jahren in einem Spalt zwis­chen der Ein­gangstür und einem ange­bracht­en Feuer­schutzblech. Adressiert waren die Briefe an Isak Binder, der lange vor den bei­den in der Woh­nung gelebt hat­te. Nach etwas Recherche fand die Erzäh­lerin her­aus, dass die Frau von Isak Binder in ein­er jüdis­chen Gemeinde in Berlin begraben liegt. Über den Verbleib von Her­rn Binder kon­nte sie jedoch nichts in Erfahrung brin­gen.

Nicht nur Kiez-Bewohner­In­nen, auch TouristIn­nen, nah­men am Erzählsa­lon teil.

Anfang der 90er Jahre fiel der Erzäh­lerin eine kleine Gruppe Men­schen auf, die vor ihrem Haus über dieses rede­ten. Die Erzäh­lerin machte auf sich aufmerk­sam und fand gemein­sam mit einem Mann der Gruppe her­aus, dass er einst ein Anwohn­er des Haus­es war und die Fam­i­lie Binder aus sein­er Kind­heit noch kan­nte.

Wie man Bewohner eines Kiez’ wird

Ein ander­er Erzäh­ler schilderte seinen Umzug in den Pren­zlauer Berg. Heute besitzt er als zuge­zo­gen­er Anwohn­er ein Restau­rant im Kiez. Bis dahin war es aber ein langer Weg für ihn. Mit sein­er Frau machte er, als er noch in Süd­deutsch­land lebte, häu­fig Urlaub in Berlin. Nach einem Jobange­bot in der Haupt­stadt war klar, dass der Umzug für das Ehep­aar erfol­gen würde. Nach­dem der Job doch nicht für ihn zus­tande kam, beschlossen er und seine Frau einen Neuan­fang, und eröffneten ein Restau­rant. Heute fühlen sich bei­de richtig angekom­men und wohl in der Haupt­stadt und ihrem Kiez.

Ein­fach nur zuhören — auch das geht im Erzählsa­lon.

Ein ander­er Anwohn­er des Pren­zlauer Bergs trägt seit über 20 Jahren Zeitun­gen im Kiez aus und brachte einen soge­nan­nten Kiezführer für Ansäs­sige und Touris­ten raus und ver­anstal­tet damit auch Lesun­gen. Er erzählte davon, wie er mit der Zeit her­aus­fand, dass man Anwohn­er eines Kiezes und nicht der Stadt Berlin wird. Für ihn ist Berlin eine Ansamm­lung von Dör­fern, wie er die Kieze beschreibt.

Die Atmo­sphäre während des Erzählsa­lons war sehr aus­ge­lassen, fröh­lich und gle­ichzeit­ig sehr intim und ver­traut. Die räum­liche Nähe durch den Kiez ver­band die Men­schen sehr schnell miteinan­der.

 

 

 


Der Erzählsa­lon
Erzählen gehört zu den ältesten Kom­mu­nika­tions­for­men, in denen Wis­sen und Erfahrun­gen weit­ergegeben wer­den. Damit erzählt wird, braucht es Raum, Gele­gen­heit und Rit­uale. Der Erzählsa­lon bietet genau dies. Rohn­stock Biografien führt seit 2012 Erzählsa­lons an unter­schiedlichen Orten, zu unter­schiedlichen The­men und in unter­schiedlichen Zusam­men­hän­gen durch, zulet­zt in der Lausitz: Über ein Jahr bracht­en wir dort Men­schen aus fünf Lausitzer Orten an einen Tisch. Mehr dazu unter: www.lausitz-an-einen-tisch.de.