»Ich bin Arbeiter, wer ist mehr?« – Erzählsalon mit Filmvorführung

+++ Achtung: Veranstaltung wird verschoben! +++

Ein Abend über ostdeutsche Männlichkeit und deren Wandel nach der Wende

Die Medi­en fra­gen die­ser Tage oft, war­um sich ost­deut­sche Män­ner, ins­be­son­de­re in struk­tur­schwa­chen Regio­nen, so »merk­wür­dig« ver­hiel­ten. Offen­sicht­lich ist, dass die AfD aus­ge­rech­net dort viel Zuspruch erhält, wo am meis­ten Indus­trie­ar­beits­plät­ze abge­baut wur­den. Männ­lich­keits­for­sche­rin­nen beschäf­ti­gen sich mit die­sen Fra­gen: Fühl­ten sich vie­le ost­deut­sche Män­ner nach 1989/90 nutz­los, gede­mü­tigt, ja: abge­wi­ckelt? Und was bedeu­te­te das für die Ent­wick­lung ihres Selbst­ver­ständ­nis­ses? 

Der Erzähl­sa­lon »Ich bin Arbei­ter, wer ist mehr?« sucht im gemein­schaft­li­chen Aus­tausch zwi­schen den Fil­me­ma­che­rin­nen Elke Hauck (Regis­seu­rin) und Kat­rin Schlös­ser (Pro­du­zen­tin) sowie der Sozio­lo­gin Syl­ka Scholz nach Ant­wor­ten. Jeder im Publi­kum, ob männ­lich oder weib­lich, west- oder ost­ge­prägt, ist ein­ge­la­den, sei­ne eige­ne Erfah­rungs­ge­schich­te bei­zu­tra­gen – oder ein­fach zuzu­hö­ren. Die Ver­an­stal­tung ist die ers­te in unse­rem The­men­jahr »30 Jah­re Deut­sche Ein­heit« (wei­te­re Ter­mi­ne geben wir dem­nächst bekannt).

Inspi­ra­ti­on für den Ver­an­stal­tungs-Titel war der legen­dä­re Berg­ar­bei­ter-Aus­spruch »Ich bin Berg­mann, wer ist mehr?«. Die Arbei­ter bei­spiels­wei­se des Uran­berg­baus im Erz­ge­bir­ge gal­ten als für die Gesell­schaft vor­bild­haf­te Män­ner – boden­stän­dig, beschei­den, selbst­los, selbst­be­wusst. Vor dem Erzähl­sa­lon wird der ein­ein­halb­stün­di­ge Spiel­film »Kar­ger« gezeigt, der die Sprach­lo­sig­keit und Über­for­de­rung eines säch­si­schen Stahl­ar­bei­ters nach 1990 behan­delt. Das Beson­de­re an dem Film ist, dass er sehr authen­tisch nach­zeich­net, wie es den einst hoch gelob­ten und wert­ge­schätz­ten Arbei­tern in einer ost­deut­schen Indus­trie­stadt (in Rie­sa) nach der Wen­de erging. Der Film ist ein sen­si­bles, fein­ge­strick­tes Psy­cho­gramm einer Klas­se.

Erzähl­sa­lon »Ich bin Arbei­ter, wer ist mehr?« (mit Spiel­film-Vor­füh­rung)

+++ Neu­es Ver­an­stal­tungs­da­tum wird dem­nächst bekannt­ge­ge­ben +++
Ort: Salon von Rohn­stock Bio­gra­fi­en, Schön­hau­ser Allee 12 
(Ein­gang Saar­brü­cker Str.), 10119 Ber­lin (U Sene­feld­erplatz)

Auf dem Podi­um sit­zen:
Prof. Dr. Syl­ka Scholz, Sozio­lo­gin der Uni Jena, Männ­lich­keits­for­sche­rin
Elke Hauck, Regis­seu­rin des Spiel­films »Kar­ger«
Kat­rin Schlös­ser, Pro­du­zen­tin des Spiel­films »Kar­ger«

Mode­ra­ti­on: Kat­rin Rohn­stock, Inha­be­rin Rohn­stock Bio­gra­fi­en und Ent­wick­le­rin des Ver­an­stal­tungs­for­mats Erzähl­sa­lon

Ein­tritt: 10 € (Stu­den­ten frei); Anmel­dun­gen erbe­ten an:info@rohnstock-biografien.de oder unter Tel. 030/40 50 43 30

Über den Film:

»Kar­ger (Jens Klemig), Held des gleich­na­mi­gen Erst­lings­films von Elke Hauck, ist Mit­te 30, ein bul­li­ger, lethar­gi­scher, aber lie­ber Typ, mit kind­li­chen, run­den blau­en Augen und vol­len Wan­gen. Er trägt Ohring und Jeans­ja­cke und hat Rie­sa, eine Indus­trie­stadt zwi­schen Leip­zig und Dres­den, noch nie ver­las­sen. Wie ein Sta­tist hockt er nun in der neu­en, schmuck­lo­sen Ein­zim­mer­woh­nung am Ran­de die­ser Stadt, der die Zei­ten, in denen Rie­sa­er Stahl noch etwas wert war, einen schmu­cken Kern beschert haben. Auch nach einem Jahr hat Kar­ger noch kei­nen Schim­mer, war­um Sabi­ne (Mari­on Kuhnt) ihn mit der gemein­sa­men Toch­ter Cla­ra ver­las­sen hat.

Das Leben geht wei­ter, ohne ihn mit­zu­neh­men. Kar­ger wur­de sowie­so nicht gefragt. Auch nicht im Stahl­werk, das fran­zö­si­sche Heu­schre­cken über­nom­men haben. Bezeich­nen­der­wei­se ist die Schmelz­hal­le der ein­zi­ge Ort, an dem die­ser Film wun­der­schön leuch­ten kann. Gleich zu Anfang beglei­tet Patrick Orths Kame­ra die Lich­ter­fahrt eines glü­hen­den Zylin­ders vom Hoch­ho­fen zu sei­ner wei­te­ren Ver­ar­bei­tung. Die Hit­ze lässt die Kon­tu­ren flir­ren und ver­leiht den Arbei­tern etwas Magi­sches.«

Quel­le: Bir­git Glom­bitza, DIE ZEIT Nr. 36 vom 30.08.2007, S.54