Das Zusammenspiel verschiedener Potenziale

Durch­ge­ses­se­ne Sofagar­ni­tu­ren, unver­putz­te Klin­ker­wän­de, zer­bro­che­ne Skate­boards als Wand­schmuck – trotz des „Underground“-Ambientes im Kel­ler des Süd-Clubs waren im sechs­ten Lauch­ham­mer­a­ner Erzähl­sa­lon Lieb­ha­ber ver­schie­dens­ter Musik­sti­le will­kom­men – vom Punk­ro­cker bis zum Berg­mann­schor-Mit­glied. Das The­ma lau­te­te „Was wir in Lauch­ham­mer mit Musik machen“.

Erzählsalon beim Buntrock e.V. in Lauchhammer mit Flüchtlingen: Was wir in Lauchhammer mit Musik machen (22.02.2016) - 1Gekom­men waren 13 jün­ge­re und älte­re Erzäh­ler: Ver­tre­ter von Bunt­rock e.V., des Süd-Clubs, des Tra­di­ti­ons­ver­eins sowie vier afgha­ni­sche Geflüch­te­te aus Lauch­ham­mer mit ihrer Deutsch­leh­re­rin. Reih­um und kreuz und quer erzähl­ten sie ein­an­der Geschich­ten, die sie mit Musik ver­bin­den.

 

Die jun­gen Afgha­nen schil­der­ten zunächst ihre Erfah­run­gen mit Instru­men­ten und Tanz und hör­ten gebannt die Erzäh­lun­gen der Ein­hei­mi­schen, die ihnen zwi­schen­durch ins Eng­li­sche über­setzt wur­den. Sie erfuh­ren von der Geschich­te der Lauch­ham­mer­a­ner Punk­band „Aus­schrei­tung“, davon, wie fami­li­är es im Bunt­rock e.V. zugeht, und von der Frau aus der Nach­bar­schaft des Süd-Clubs, die bei den hier auf­spie­len­den Bands berühmt für ihren Kar­tof­fel­sa­lat war.

Erzählsalon beim Buntrock e.V. in Lauchhammer mit Flüchtlingen: Was wir in Lauchhammer mit Musik machen (22.02.2016) - 2Jün­ge­re und älte­re Teil­neh­mer erzähl­ten über ihre per­sön­li­chen Erin­ne­run­gen die Musik­ge­schich­te ihrer Stadt. Erstaun­lich war die hohe Akzep­tanz gegen­über ver­schie­dens­ten Musik­sti­len, die in den Erzäh­lun­gen durch­klan­gen – „sofern es sich nicht um Nazi-Lie­der han­delt“, wie ein jun­ger Punk­ro­cker klar­stell­te. Im Sub­text der Geschich­ten wur­den vie­le Hoff­nun­gen, aber auch Skep­sis aus­ge­drückt, die die Lauch­ham­mer­a­ner haben, wenn sie an die Kon­zert­kul­tur in ihrer Hei­mat­stadt den­ken.

Wäh­rend die Älte­ren mehr von den Hür­den spra­chen, erzähl­ten die jün­ge­ren Erzäh­ler eher von den nicht aus­ge­schöpf­ten Poten­zia­len. Einig waren sich die meis­ten dar­in, dass oft Büro­kra­tie und Geset­ze der Rea­li­sie­rung von Kon­zer­ten im Weg stün­den. Wenn bei den Ver­ant­wort­li­chen wirk­li­ches Inter­es­se da wäre, so einer der Erzäh­ler, wäre alles im Grun­de nur Aus­le­gungs­sa­che.

Erzählsalon beim Buntrock e.V. in Lauchhammer mit Flüchtlingen: Was wir in Lauchhammer mit Musik machen (22.02.2016) - 3Dabei sei­en die Bio­tür­me von Lauch­ham­mer, so das ein­hel­li­ge Urteil der Run­de, ein „super Ort“ für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen. Mit bes­ten tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen. Doch wer­de wegen angeb­li­cher Ruhe­stö­rung viel zu schnell die Poli­zei geru­fen. Es sei denn die Puh­dys spie­len auf, warf ein Älte­rer ein. 2006 kamen mehr als 4.000 Men­schen zum Kon­zert der legen­dä­ren Rock­band. Das Pro­blem sei, dass man mona­te­lang vor­her anfan­gen müs­se zu pla­nen und Geneh­mi­gun­gen ein­zu­ho­len. „Dafür braucht es enga­gier­te Hel­fer“, sag­te einer der Ver­tre­ter des Süd-Clubs. Am Ende hän­ge es an weni­gen Leu­ten – die sei­en aber offen, moti­viert und enga­gier­ten sich gern.

Je mehr über Wün­sche und Hoff­nun­gen rund ums Musik­ma­chen erzählt wur­de, des­to mehr offen­bar­te sich, wie wenig tren­nend selbst schein­bar gegen­sätz­li­che Stil­rich­tun­gen sind. Ent­schei­dend sei viel­mehr, mit den vor­han­de­nen Poten­zia­len etwas gemein­schaft­lich auf die Bei­ne zu stel­len. So wur­de der Ein­fall, in die 25-Jahr-Fei­er von Bunt­rock e.V. im nächs­ten Jahr den Berg­mann­schor ein­zu­bin­den, auf allen Sei­ten begrüßt. „Nach­mit­tags soll es sowie­so etwas fami­liä­rer sein, erst abends geht es rup­pi­ger zu Sache“, so ein Bun­tro­cker.

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Kat­rin Rohn­stock, die den Salon mode­rier­te, brach­te zum Ende des Erzähl­sa­lons sogar die Idee ein, dass die ver­schie­de­nen Musik­stil-Ver­tre­ter nicht nur nach­ein­an­der, son­dern auch mit­ein­an­der musi­zie­ren könn­ten – in einem Zusam­men­spiel vom Berg­ar­bei­ter-Orches­ter und Punk­ro­ckern. Gemein­sam kön­ne man eine eige­ne Kom­po­si­ti­on schaf­fen, zum Bei­spiel für eine „Glück Auf“-Oper. Dafür waren alle zu begeis­tern. „Aber auch die Stadt muss mit­spie­len“, erin­ner­te einer der jün­ge­ren Musi­ker dar­an, dass am Ende alle über­zeugt wer­den müs­sen.


Alles über das Lau­sitz-Pro­jekt fin­den Sie auf der Web­site www.lausitz-an-einen-tisch.de.