Postwachstum trifft Postsozialismus – Erzählsalon am 30. Januar 2020

Was können wir für die sozial-ökologische Transformation von der postsozialistischen Transformation lernen?

Öffent­li­cher Erzähl­sa­lon | Salon von Rohn­stock Bio­gra­fien­Schön­hau­ser Alle 12 (Ein­gang Saar­brü­cker Stra­ße), 10119 Ber­lin | 30. Janu­ar 2020 | 18:00 - 20:00

Bild: © keep it balan­ced

Wie unter­schied­lich der Zustand unse­rer Gesell­schaf­ten der­zeit auch inter­pre­tiert wird, eines kön­nen wir mit Sicher­heit sagen: In der bes­ten aller mög­li­chen Wel­ten leben wir nicht. Vie­le Men­schen bege­ben sich daher auf die Suche nach alter­na­ti­ven Gesell­schafts­ent­wür­fen und dem „guten Leben“ für alle. Eine die­ser sozi­al-öko­lo­gi­schen Such­be­we­gun­gen nennt sich „Post­wachs­tum“ (eng­lisch „degrowth“). Vertreter_innen die­ses Ansat­zes üben grund­le­gen­de Kri­tik am kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaf­ten und des­sen Wachs­tums­pa­ra­dig­ma. Ihr alter­na­ti­ver Ent­wurf sind wachs­tums­un­ab­hän­gi­ge Gesell­schaf­ten, deren Pro­duk­ti­ons- und Lebens­wei­sen kon­se­quent sozi­al und öko­lo­gisch gerecht aus­ge­rich­tet sind und allen Men­schen ein gutes, selbst­be­stimm­tes und selbst­wirk­sa­mes Leben im Genug ermög­li­chen.

Der Weg hin zu Post­wachs­tums­ge­sell­schaf­ten erfor­dert einen tief­grei­fen­den und eman­zi­pa­to­ri­schen gesell­schaft­li­chen Wan­del. In Ost­eu­ro­pa und im Osten Deutsch­lands trifft die­ser grund­le­gen­de gesell­schafts­ver­än­dern­de Anspruch auf die post­so­zia­lis­ti­schen Trans­for­ma­ti­ons­er­fah­run­gen der älte­ren Genera­tio­nen. Die­se Erfah­run­gen sind reich an Hin­wei­sen und Erkennt­nis­sen dar­über, ob und wie, unter wel­chen Bedin­gun­gen und mit wel­chen Gren­zen Pro­zes­se tief­grei­fen­den und eman­zi­pa­to­ri­schen Wan­dels wünsch­bar und gestalt­bar sind. In ihnen spie­gelt sich zudem einer­seits eine ein­ma­li­ge Befä­hi­gung der Men­schen - ein „Vor­sprung beim Suchen nach Alter­na­ti­ven“ (Chris­toph Links und Kris­ti­na Vol­ke), aber ande­rer­seits auch eine gewis­se Ver­än­de­rungs­mü­dig­keit (Stef­fen Mau).

Was lässt sich nun von die­sen ver­gan­ge­nen für die künf­ti­ge Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se ler­nen? Die­ser Fra­ge möch­ten wir mit dem Erzähl­sa­lon nach­ge­hen und damit auch das Ken­nen­ler­nen und das Mit­ein­an­der­ler­nen von älte­ren und jün­ge­ren Genera­tio­nen aus Ost und West beför­dern. Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter des Post­wachs­tums­dis­kur­ses geben dafür einen Ein­blick in die Bewe­gung und ihre per­sön­li­chen Beweg­grün­de. Und sie kom­men mit einer Men­ge Fra­gen an die trans­for­ma­ti­ons­er­fah­re­nen Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer des Salons. Ins­be­son­de­re der Rück­blick der Gene­ral­di­rek­to­ren der frü­he­ren DDR-Kom­bi­na­te auf die wirt­schaft­li­chen und unter­neh­me­ri­schen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se nach 1989/90 soll neue Per­spek­ti­ven auf die anste­hen­de Trans­for­ma­ti­on unse­rer Wachs­tums­ge­sell­schaft hin zu einer sozi­al und öko­lo­gisch gerech­ten Post­wachs­tums­ge­sell­schaft eröff­nen.

Wir freu­en uns auf eine ange­reg­te und inter­es­sier­te Dis­kus­si­on!

Auf dem Podi­um als Ver­tre­ter des Post­wachs­tums:

Jana Gebau­er (geb. 1971 in Stral­sund) ist freie Unter­neh­mens­for­sche­rin, Dozen­tin und Mode­ra­to­rin im Bereich der Post­wachs­tums- und Alter­na­tiv­wirt­schaft sowie Mit­glied des Vor­stands am Insti­tut für öko­lo­gi­sche Wirt­schafts­for­schung (IÖW) in Ber­lin. Sie hat einen ost­deut­schen Trans­for­ma­ti­ons­hin­ter­grund und betrach­tet das Ler­nen von und mit den älte­ren Genera­tio­nen in post­so­zia­lis­ti­schen Län­dern als Chan­ce, die die Post­wachs­tums­be­we­gung nicht ver­pas­sen darf.

Ger­rit von Jorck (geb. 1986 in Kle­ve) ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter und Dozent an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin sowie Mit­glied des Vor­stands der Ver­ei­ni­gung für öko­lo­gi­sche Wirt­schafts­for­schung (VÖW). Bevor er sich zuneh­mend mit Post­wachs­tum, ins­be­son­de­re der sozi­al-öko­lo­gi­schen Trans­for­ma­ti­on der Arbeits­ge­sell­schaft befass­te, arbei­te­te er in Buda­pest zur poli­ti­schen Öko­no­mie post­so­zia­lis­ti­scher Län­der. Er fragt sich, wie die­se Erfah­run­gen zusam­men­ge­führt wer­den kön­nen.

Lili­an Pun­gas (geb. 1987 in Tal­linn) ist wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin an der Fried­rich-Schil­ler-Uni­ver­si­tät Jena sowie Mode­ra­to­rin und Vor­stands­mit­glied der Online-Platt­form Wachs­tums­wen­de. Ursprüng­lich aus Est­land stam­mend, hat sie in den letz­ten Jah­ren ver­schie­de­ne Prak­ti­ken der „stil­len Nach­hal­tig­keit” in Ost­eu­ro­pa erforscht, unter ande­rem die ver­brei­te­te Selbst­ver­sor­gung durch urba­nes Gärt­nern, deren Post­wachs­tums­bei­trag sie stär­ker sicht­bar machen möch­te.

Auf dem Podi­um als Ver­tre­ter des Post­so­zia­lis­mus:

Eck­hard Netz­mann (geb. 1938), ehem. Gene­ral­di­rek­tor des VEB Schwer­ma­schi­nen­bau­kom­bi­nat »Ernst Thäl­mann« (SKET) Mag­de­burg, spä­ter stellv. Gene­ral­di­rek­tor des VEB Kom­bi­nat Kraft­werks­an­la­gen­bau Ber­lin, seit den 1990er Jah­ren selbst­stän­di­ger Unter­neh­mens­be­ra­ter.

Uwe Tros­tel (geb. 1941), ehem. Vor­sit­zen­der der Bezirks­plan­ko­mis­si­on Mag­de­burg und stellv. Vor­sit­zen­der des Rates des Bezirks, ab 1987 Lei­ter der zen­tra­len staat­li­chen Inspek­ti­on für Inves­ti­tio­nen bei der staat­li­chen Plan­kom­mis­si­on, 1990 bis 1992 Mit­ar­bei­ter der Treu­hand­an­stalt, spä­ter Beschäf­tig­ter eines Bera­tungs­un­ter­neh­mens, Mit­ar­beit im Ver­mark­tungs­hil­fe­pro­gramm des BMWI.

Alex­an­der Schme­j­kal (geb. 1943), ehem. Lei­ter der Kreis­plan­kom­mis­si­on Ber­lin-Prenz­lau­er Berg, ehem. stellv. Bezirks­bür­ger­meis­ter Ber­lin-Prenz­lau­er Berg, spä­ter in der frei­en Wirt­schaft tätig.