Vom Handwerk des Erzählens und Schreibens - Unser Tag der offenen Tür 2017

Am 28. Janu­ar 2017 hat­ten wir zum Tag der offe­nen Tür ein­ge­la­den. Wir waren sehr erfreut, rund 60 Gäs­te begrü­ßen zu dür­fen. Unser Pro­gramm aus Vor­trä­gen, Buch­prä­sen­ta­tio­nen, Erzähl­sa­lon und Ver­nis­sa­ge fand gro­ßen Anklang.

Erzäh­len war das ver­bin­den­de Ele­ment an die­sem Tag. Wie arbei­tet ein Auto­bio­gra­fi­ker? Wel­che Rol­le spielt das nar­ra­ti­ve Selbst in der Bio­gra­fie­ar­beit? Was pas­siert in einem Erzähl­sa­lon? Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen fan­den die Besu­cher in Vor­trä­gen, Dis­kus­sio­nen und Gesprä­chen. Vie­le Ber­li­ner waren unter den Besu­chern, aber auch Gäs­te aus Thü­rin­gen, Sach­sen, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ham­burg und Han­no­ver konn­ten wir will­kom­men hei­ßen.

Schreib­for­scher Otto Kru­se von der Züri­cher Hoch­schu­le für Ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten erläu­tert dem Publi­kum den Zusam­men­hang von Erzäh­len und Iden­ti­tät

»Erzählen und Identität«

Unser Pro­gramm begann mit dem Vor­trag »Erzäh­len und Iden­ti­tät« von Pro­fes­sor Otto Kru­se. Der renom­mier­te Schreib­for­scher sprach im Rohn­stock Salon über Iden­ti­täts­kon­struk­tio­nen und dar­über, wie wir über das Erzäh­len über­haupt erst unse­re Iden­ti­tät erschaf­fen. Der Vor­trag stieß auf gro­ßes Inter­es­se, sodass wir eine zukünf­ti­ge Vor­trags­rei­he mit Otto Kru­se pla­nen.

Im Anschluss konn­ten die Besu­cher unse­re Räu­me besich­ti­gen und unse­re brei­te Aus­wahl an Büchern anschau­en. Im per­sön­li­chen Kon­takt mit den Besu­chern beant­wor­te­ten wir Fra­gen zu ein­zel­nen Publi­ka­tio­nen und zu unse­rer Arbeit.

Rohnstock Biografien – eine Firma stellt sich vor

Unse­re Arbeits­wei­se und Phi­lo­so­phie stell­ten wir dann aus­führ­lich in den nächs­ten Pro­gramm­punk­ten vor. Im den Räu­men des Lek­to­ra­tes erläu­ter­te Chef­lek­tor Dr. Levin D. Röder, wie bei Rohn­stock Bio­gra­fi­en Auto­bio­gra­fi­en und Fir­men­ge­schich­ten ent­ste­hen. Unter­stüt­zung bekam er dabei von vier unse­rer Auto­bio­gra­fi­ker: Clau­dia Röß­ger, Rosi­ta Mül­ler, Frank Nuss­bü­cker und Ralf Pasch hat­ten ihre Lieb­lings­bü­cher mit­ge­bracht und lasen dar­aus vor. Danach erzähl­ten sie anhand der Bücher, wie sie die vie­len Erin­ne­run­gen eines Kun­den zusam­men­füh­ren und dar­aus einen schö­nen, les­ba­ren Text machen. Sie erzähl­ten, vor welch gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen sie dabei manch­mal ste­hen, aber auch, wel­che Freu­de ihnen das Inter­view­en und Schrei­ben berei­tet.

Im gro­ßen Lek­to­rat fan­den sich die­je­ni­gen Besu­cher ein, die mehr über die Buch­ent­ste­hung, die Arbeit des Auto­bio­gra­fi­kers und das Schreib­jahr erfah­ren woll­ten

Dr. Röder und sei­ne Kol­le­gen stan­den zudem Rede und Ant­wort über unser neu­es Semi­nar­an­ge­bot, wel­ches im August 2017 star­ten wird: »Die Geschich­te mei­nes Vaters – ein Schreib­jahr mit den Autoren von Rohn­stock Bio­gra­fi­en«.
Sie erklär­ten, dass das Schreib­jahr auf der Basis der erprob­ten Auto­bio­gra­fi­ker-Aus­bil­dung ent­stand. Es rich­tet sich sowohl an Inter­es­sier­te, die sich im 12-tägi­gen Inten­siv­se­mi­nar zum Auto­bio­gra­fi­ker aus­bil­den las­sen wol­len als auch an Per­so­nen, die über ein Jahr beglei­tet das Buch eines gelieb­ten Men­schen schrei­ben und so ihre eige­nen Wur­zeln erkun­den möch­ten.

Was Erzählprojekte können

Im Salon prä­sen­tier­ten die Pro­jekt­ma­na­ger Nepo­muk Rohn­stock und Ant­je Käs­ke unter­des­sen das von Kat­rin Rohn­stock ent­wi­ckel­te Ver­an­stal­tungs­for­mat »Erzähl­sa­lon« und unse­re dar­auf auf­bau­en­den Erzähl­pro­jek­te und Pro­jekt­ide­en. Nepo­muk Rohn­stock mach­te deut­lich, wel­che Poten­zia­le der Erzähl­sa­lon für gesell­schaft­li­chen Wan­del und für die Selbst­er­mäch­ti­gung der Bür­ger hat.

Nepo­muk Rohn­stock zeig­te anhand der ver­schie­de­nen Erzähl­pro­jek­te, wie das Erzäh­len sowohl den gesell­schaft­li­chen als auch den per­sön­li­chen Wan­del för­dern kann

Am Bei­spiel des Pro­jekts »Die Lau­sitz an einen Tisch« schil­der­te Ant­je Käs­ke, wie aus dem im Erzähl­sa­lon gespro­che­nen Wort ein Tran­skript und dann ein Text wird, der in Bro­schü­ren oder in einem Buch für eine brei­te Öffent­lich­keit zugäng­lich ist.
Wer einen Ein­druck von dem reich­hal­ti­gen Erleb­nis-Schatz der Lau­sit­zer bekom­men möch­te, kann alle Publi­ka­tio­nen aus dem Lau­sitz-Pro­jekt kos­ten­los auf der Pro­jekt-Web­sei­te her­un­ter­la­den.

Auch luden Herr Rohn­stock und Frau Käs­ke inter­es­sier­te Zuhö­rer zur Teil­nah­me an unse­rem Salon­niè­ren-Semi­nar ein, wel­ches das nächs­te Mal im März und April 2017 in den Räu­men von Rohn­stock Bio­gra­fi­en statt­fin­den wird.

Vielfalt im Erzählsalon

16 Erzäh­le­rin­nen und Erzäh­ler beim Erzähl­sa­lon, mit dem Publi­kum in zwei­ter Rei­he

Einen typi­schen Erzähl­sa­lon konn­ten die Besu­cher gleich im Anschluss erle­ben. Im Rohn­stock Salon nah­men sowohl Erzäh­ler als auch Zuhö­rer am gro­ßen Holz­tisch Platz, um Geschich­ten zum The­ma »Wie ich ein gro­ßes Hin­der­nis über­wand« zu tei­len.

Eini­ge Bewäl­ti­gungs­stra­te­gi­en, von denen erzählt wur­de, amü­sier­ten die Zuhö­rer

Die Salon­niè­re Kat­rin Rohn­stock hat­te alte und jun­ge Ber­li­ner, Unter­neh­mer, Künst­ler, Struk­tur­ent­wick­ler und Poli­ti­ker zum Erzäh­len ein­ge­la­den. So unter­schied­lich die Erzäh­ler waren, so bunt waren auch ihre Geschich­ten. Ob die anstren­gen­de Wan­de­rung auf dem Jakobs­weg mit 77 Jah­ren, die ner­ven­auf­rei­ben­de Füh­rer­schein­prü­fung oder die absur­de Ehe­schlie­ßung im Rumä­ni­en der 1970er Jah­re – span­nend bei jeder Geschich­te war es zu hören, wel­che unter­schied­li­chen Metho­den die Men­schen aus den ver­schie­de­nen Beru­fen, Genera­tio­nen und Kul­tu­ren anwen­de­ten, um Hin­der­nis­se zu über­win­den.

Künstlerischer Abschluss mit minimalistischen Fotografien

Foto­graf And­re van Uehm (2.v.l.) berich­tet bei Käse und Wein, wel­che Bedeu­tung der Kon­trast zwi­schen Schwarz und Weiß in sei­nen Bil­dern hat

Am Abend erleb­ten die Besu­cher die Ver­nis­sa­ge der Aus­stel­lung »Win­ter­bil­der« von And­re van Uehm. Der Land­schafts­fo­to­graf war extra aus dem meck­len­bur­gi­schen Wose­rin ange­reist, um die Foto­gra­fi­en aus sei­ner Hei­mat - Bäu­me, Fel­der und End­mo­rä­nen - vor­zu­stel­len. Auch in der Ver­nis­sa­ge spiel­ten Geschich­ten eine Rol­le.

And­re van Uehm erzähl­te zu jedem sei­ner Bil­der, wie die­se ent­stan­den waren. So hör­ten die Besu­cher, wie der Foto­graf an der Ost­see über­nach­tet hat­te, um den Son­nen­un­ter- und auf­gang am Strand von Goll­witz zu foto­gra­fie­ren. Sie lausch­ten auch der Legen­de um die tau­send­jäh­ri­gen Iven­acker Eichen, eine Zyklus-Rei­he von Bäu­men, die die Besu­cher an Moti­ve von Cas­par David Fried­rich erin­ner­ten. Für die musi­ka­li­sche Unter­ma­lung sorg­te der Fla­men­co­gi­tar­rist Paco Lia­na. Der Bruch zwi­schen sei­ne feu­ri­gen Gitar­ren­klän­ge und den win­ter­li­chen Foto­gra­fi­en And­re van Uehms beleb­ten den Abend auf beson­de­re Wei­se.

Paco Lia­na spiel­te zum Abschluss des Tages Fla­men­co­k­län­ge auf der Gitar­re

Die Aus­stel­lung ist noch bis zum Früh­ling im Rohn­stock Salon zu besich­ti­gen.

Zu unse­rer Freu­de äußer­ten sich die Besu­cher zufrie­den über den Tag der offe­nen Tür.  „Eigent­lich woll­te ich nur mal kurz gucken kom­men. Aber mir hat das Pro­gramm so gut gefal­len, dass ich dann doch den gan­zen Tag geblie­ben bin“, sag­te eine Besu­che­rin zum Abschied. Der Andrang und die Fra­gen der Besu­cher haben uns wie­der ein­mal gezeigt, wie groß das Bedürf­nis nach dem Hören und Erzäh­len von Lebens­ge­schich­ten ist.

Fort­set­zung folgt im nächs­ten Jahr…