Weihnachtsgeschichten von Jung und Alt

Weihnachts-Erzählsalon 2015

»Mei­ne beson­de­re Weih­nachts­ge­schich­te«

Mehr als ein hal­bes Jahr­hun­dert – so groß war der Alters­un­ter­schied bei unse­rem dies­jäh­ri­gen Weih­nachts-Erzähl­sa­lon. Sechs Damen zwi­schen 70 und 90 Jah­ren und zwei Rohn­stock-Mit­ar­bei­te­rin­nen, 24 und 27 Jah­re alt, tra­fen sich mit Kat­rin Rohn­stock in unse­rem Salon, um von einem beson­de­ren Weih­nachts­er­leb­nis in ihrem Leben zu berich­ten.

Alle Erzäh­le­rin­nen woh­nen in Ber­lin, doch ihre Weih­nachts­ge­schich­ten, die sie beson­ders erin­nern, ereig­ne­ten sich meist in ande­ren Orten Deutsch­lands oder der Welt.
So hör­ten wir, wie die Sehn­sucht nach Schnee das Weih­nachts­fest in Chi­le bestimm­te, wie sehr sich ein Weih­nachts­es­sen, Weih­nachts­ein­käu­fe und Weih­nacht­schmuck im süd­afri­ka­ni­schen Kap­stadt denen in Deutsch­land ähneln kön­nen und welch eine Tor­tur das Weih­nachts­sin­gen in der Pfalz sein konn­te, weil der Vater schief sang oder die Geschen­küber­ga­be hin­aus­ge­zö­gert wur­de.

Weihnachts-Erählsalon 2015Die ältes­te Erzäh­le­rin erin­ner­te sich an eine Weih­nachts­fei­er im Inter­nat der Herrn­hu­ter in Ober­schle­si­en. Dort war sie schon als Fünf­jäh­ri­ge fern von den Eltern unter­ge­bracht wor­den. Die Sehn­sucht nach den Eltern war zur Inter­nats-Weih­nachts­fei­er in der geschmück­ten Stu­be, mit haus­ge­mach­ten Plätz­chen und Gän­se­bra­ten, wenigs­tens kurz ver­ges­sen.
Auch die jüngs­te Erzäh­le­rin berich­te­te vom Weih­nachts­es­sen. Im Eltern­haus in Thü­rin­gen koch­te sie als Kind zusam­men mit der Schwes­ter am klei­nen Ofen eige­ne Gerich­te und ver­grö­ßer­te dabei immer das Cha­os wäh­rend der Essens­vor­be­rei­tun­gen.

Zwi­schen den Erzäh­lun­gen tru­gen Stol­len, Ker­zen­licht und Musik zur weih­nacht­li­chen Stim­mung bei. Zwei jun­ge Musi­ker spiel­ten auf Gei­ge und Kla­vier Stü­cke von Georg Fried­rich Hän­del und Robert Schu­mann sowie Weih­nachts­lie­der.

Eine Weih­nachts­ge­schich­te spiel­te in Ber­lin und han­del­te davon, wie schwie­rig Weih­nach­ten in der Nach­kriegs­zeit sein konn­te. Aus Zucker­sä­cken wur­den Pull­over gestrickt; das Essen war rar. Das Fondant war wert­voll und wur­de ver­steckt. Die Erzäh­le­rin aß heim­lich von der Süßig­keit. An Weih­nach­ten war nichts mehr davon übrig. Wie sich her­aus­stell­te, hat­te auch die Mut­ter heim­lich davon genascht…

Auch von Geschen­ken wur­de erzählt. Eine der Damen berich­te­te, wie sehr sie sich über einen Opern- und Schau­spiel­füh­rer von ihrer Mut­ter gefreut hat­te, war doch das Ver­hält­nis zu ihr und das Leben in der Ber­li­ner Ein-Zim­mer-Woh­nung nicht ein­fach gewe­sen. Die Mut­ter stamm­te aus einer Bau­ern­fa­mi­lie, der Vater war kaum prä­sent. Die Erzäh­le­rin konn­te sich als jun­ge Frau mit die­sem  Opern- und Schau­spiel­füh­rer bil­den, was ihr ander­wei­tig nicht mög­lich war.

Jede Weih­nachts­ge­schich­te offen­bar­te auch ein Stück Kind­heit und erzähl­te davon, wie prä­gend Bezie­hun­gen zu Eltern, Tan­ten oder Geschwis­tern für das spä­te­re Leben sein kön­nen.