Weihnachtsgeschichten im Weihnachts-Erzählsalon

Im tra­di­tio­nel­len Weih­nachts-Erzähl­sa­lon von Rohn­stock Bio­gra­fi­en wer­den Geschich­ten erzählt, die im Rest des Jah­res kaum gehört wer­den.

In einer klei­nen gemüt­li­chen Run­de fand die­ses Jahr unser Weih­nachts-Erzähl­sa­lon statt. Gäs­te aus Ber­lin und aus der Nähe von Ham­burg fan­den sich in unse­rem Rohn­stock Salon ein, um ihre Geschich­ten zum The­ma »Ein weih­nacht­li­ches Erleb­nis« zu erzäh­len. 

Weihnachtsbäume in Ost und West

Der Weih­nachts­baum bie­tet offen­bar viel Erzähl­stoff, denn gleich drei Geschich­ten dreh­ten sich um die­ses typisch weih­nacht­li­che Sym­bol.

Unter dem selbst­er­nann­ten Titel »Weih­nachts­bäu­me des Jah­res 1989« erzähl­te ein Gast aus dem Prenz­lau­er Berg, wie er im Dezem­ber 1989 - kurz nach dem Fall der Mau­er - den Weih­nachts­baum­ver­kauf in Ost- und West­ber­lin erlebt hat­te: In Ost­ber­lin konn­te man die Bäu­me wie immer auf dem Mit­tel­strei­fen von brei­ten Stra­ßen kau­fen. Da die Bäu­me auf­ge­sta­pelt waren und es beim Kau­fen schon dun­kel war, fiel eine genaue Begut­ach­tung schwer. Erst zu Hau­se, berich­te­te der Erzäh­ler, sah man, wie dürf­tig der Baum eigent­lich war. Ein jedes Jahr zu Weih­nach­ten wie­der­keh­ren­der Aus­ruf lau­te­te daher: „Was hast du denn da wie­der für eine Krü­cke gekauft?“ In West­ber­lin hin­ge­gen hat­te der Erzäh­ler ein ganz ande­ren Weih­nachts­baum­ver­kauf beob­ach­tet. Hier waren die Ver­kaufs­flä­chen hell erleuch­tet und die Weih­nachts­bäu­me sogar auf Stän­dern aus­ge­stellt. „Wahn­sin­nig teu­er und tod­schick”, beschrieb der Erzäh­ler die­ses Bild.

Ein weih­nacht­li­ches Ereig­nis war für die Erzäh­le­rin­nen und Erzäh­ler immer auch die Besor­gung des Weih­nachts­baums.

Eine ande­re Erzäh­le­rin aus Ber­lin erin­ner­te sich, wie auf­re­gend es ein­mal für sie war, selbst einen Weih­nachts­baum im bran­den­bur­gi­schen Wald zu schla­gen. Von dem Erzäh­ler aus der Regi­on Ham­burg hör­ten wir, wie sehr der Weih­nachts­baum­ver­kauf die Händ­ler ein­neh­men kann. Der Erzäh­ler schil­der­te, dass der Lei­ter sei­nes Posau­nen­chors Weih­nachts­auf­trit­te aus­fal­len las­sen muss, um die auf sei­nem Acker ange­pflanz­ten Bäu­me ver­kau­fen zu kön­nen.

Soziale Probleme werden sichtbar

Gera­de in Groß­städ­ten, so die Erzäh­le­rin aus Ber­lin, sei es schwie­rig für­ein­an­der zu sor­gen.

Der zwei­te Teil des Erzähl­sa­lons dreh­te sich um sozia­le Fra­gen. Eine Teil­neh­me­rin hat­te erzählt, wie sie an Hei­lig­abend einen ver­wahr­los­ten und ver­ein­sam­ten Dorf­be­woh­ner ken­nen­ge­lernt hat­te und die­sen fort­an jedes Jahr an Weih­nach­ten besuch­te. Die Geschich­te lös­te bei den ande­ren Teil­neh­mern Erin­ne­run­gen an Erleb­nis­se mit Obdach­lo­sen, Geflüch­te­ten und ande­ren sozi­al Benach­tei­lig­ten aus. Die viel­fäl­ti­gen Ursa­chen für sozia­le Pro­ble­me wur­den dabei ange­spro­chen.

Im Zuge des­sen schil­der­te Kat­rin Rohn­stock, wie sich die Hilfs­be­dürf­ti­gen an der Tafel am Starn­ber­ger See in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert hat­ten. Kat­rin Rohn­stock hat­te im Rah­men eines Buch­pro­jek­tes von die­sen Ent­wick­lun­gen erfah­ren: Wäh­rend anfangs alte, ehe­mals im Haus­halt täti­ge Frau­en dort­hin gekom­men waren, suchen heut­zu­ta­ge auch immer mehr Aka­de­mi­ker dort Hil­fe.

Die Geschich­ten die­ses Weih­nachts-Erzähl­sa­lons zeig­ten, wel­che Bedeu­tung Weih­nach­ten sowohl für den Ein­zel­nen als auch die Gesell­schaft hat und dass die Beschäf­ti­gung mit Weih­nach­ten immer auch mit Fra­gen nach sozia­ler Gerech­tig­keit ein­her­geht.