Wirtschaften in DDR und BRD: Rückblicke und Ausblicke auf dem Ost-West-Wirtschaftsforum

Das Ost-West-Wirtschaftsforum am 27. September 2015Anläss­lich des 25. Jubi­lä­ums der Deut­schen Ein­heit fand am 25. Sep­tem­ber 2015 ein Ost-West-Wirt­schafts­fo­rum statt, bei dem Wirt­schafts­ka­pi­tä­ne der ehe­ma­li­gen DDR und BRD zusam­men kamen. Rohn­stock Bio­gra­fi­en und der gemein­nüt­zi­ge Ver­ein „Lebens­er­in­ne­run­gen – Ver­ein zur För­de­rung lebens­ge­schicht­li­chen Erin­nerns und bio­gra­fi­schen Erzäh­lens e.V.“ luden in Koope­ra­ti­on mit Ber­lin Part­ner und der IHK Ber­lin in die Thü­rin­gi­sche Lan­des­ver­tre­tung Ber­lin ein, um über die Poten­zia­le und Gren­zen von Plan- und Markt­wirt­schaft zu dis­ku­tie­ren.

Mechthild Schrooten spricht zur Erforschung der BRD- und DDR-Wirtschaftsgeschichte

Mecht­hild Schroo­ten spricht zur Erfor­schung der BRD- und DDR-Wirt­schafts­ge­schich­te

„Werk­tä­ti­ge“ und „Arbeit­neh­mer“, „Kol­lek­ti­ve“ und „Teams“, „Betriebs­lei­ter“ und  „Mana­ger“, sowie „Kom­bi­nats­di­rek­to­ren“ und „Vor­stands­vor­sit­zen­de“ haben seit der Wen­de zusam­men ein Wirt­schafts­sys­tem gestal­tet. Sie haben sich der ste­tig wan­deln­den Markt­ge­sell­schaft ange­passt und dabei unter­schied­li­che Erfah­run­gen ein­ge­bracht. Ein span­nen­des Expe­ri­ment! Wie ist es bis­her gelun­gen? Was kön­nen wir aus ihm ler­nen? – auf dem Ost-West-Wirt­schafts­fo­rum fan­den sich Men­schen zusam­men, um die­se Fra­gen zu erkun­den.

Neun ehe­ma­li­ge und gegen­wär­ti­ge Wirt­schafts­ka­pi­tä­ne waren zu dem deutsch-deut­schen Dia­log gekom­men. Mecht­hild Schroo­ten, Pro­fes­so­rin für Volks­wirt­schafts­leh­re an der Hoch­schu­le Bre­men, eröff­ne­te die Ver­an­stal­tung mit einer his­to­ri­schen Ein­füh­rung auf Grund­la­ge der For­schun­gen des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW).
Anschlie­ßend spra­chen die Wirt­schafts­ka­pi­tä­ne in vier Podi­en über ihre Erfah­run­gen in den Wirt­schafts­sys­te­men der DDR und BRD.

Prof. Dr. Dr. Karl Döring und Heinz Dürr diskutieren über die Potenziale von Plan- und Marktwirtschaft

Prof. Dr. Dr. Karl Döring und Heinz Dürr dis­ku­tie­ren über die Poten­zia­le von Plan- und Markt­wirt­schaft

Heinz Dürr etwa, frü­he­rer Unter­neh­mer der Dürr AG, und Prof. Dr. Dr. Karl Döring, ehe­ma­li­ger Gene­ral­di­rek­tor des VEB Band­stahl­kom­bi­nat Eisen­hüt­ten­stadt, leg­ten Unter­schie­de und Ähn­lich­kei­ten von sozia­ler Markt­wirt­schaft und sozia­lis­ti­scher Plan­wirt­schaft dar. Bei­de waren sich dar­in einig, dass Gewinn­ma­xi­mie­rung nicht allei­ni­ger Zweck und Ziel unter­neh­me­ri­schen Han­delns sein dür­fe.

Chris­ta Bertrag, ehe­ma­li­ge Gene­ral­di­rek­to­rin des Kos­me­tik­kom­bi­nats Ber­lin, und Peter Zühls­dorff, einst Vor­stands­vor­sit­zen­der der Wel­la AG, tausch­ten sich am Bei­spiel der Kos­me­tik­in­dus­trie über das Wirt­schaf­ten in bei­den Sys­te­men aus. Danach erzähl­ten Prof. Dr. Hein­rich von Pie­rer von der Pie­rer Con­sul­ting GmbH und Eck­hard Netz­mann, der den VEB Schwer­ma­schi­nen­bau­kom­bi­nats »Ernst Thäl­mann« gelei­tet hat­te, davon, wie sie den Auf­bruch von der Plan- in die Markt­wirt­schaft 1989/90 erlebt hat­ten.

Christa Bertrag (links) und Peter Zühlsdorff (rechts) erzählen von ihren Erfahrungen in der Kosmetikindustrie

Chris­ta Bertrag (links) und Peter Zühls­dorff (rechts) erzäh­len von ihren Erfah­run­gen in der Kos­me­tik­in­dus­trie

Auf dem Abschluss­po­di­um schließ­lich dis­ku­tier­ten Mela­nie Bähr (Stellv. Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin IHK Ber­lin), Prof. Dr. Mecht­hild Schroo­ten (Hoch­schu­le Bre­men), Son­ja Jost (Dex­Le­Chem GmbH), Robert Hasel­stei­ner (Finanz­tip) und Hel­mut Hol­der (DIE LINKE) über die Fra­ge: „Wie kön­nen die sozia­len und öko­lo­gi­schen Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft mit wirt­schaft­li­chem Erfolg ver­knüpft wer­den?”

Das Ost-West-Wirt­schafts­fo­rum sorg­te in sei­ner Dar­stel­lung bei­der Wirt­schafts­sys­te­me für eine Aus­ge­wo­gen­heit, die die For­schung bis­her mis­sen lässt. Wäh­rend das Wirt­schafts­sys­tem der BRD schon aus­führ­lich erforscht ist, sind Stu­di­en zur DDR-Wirt­schaft rar. Auch des­halb enga­giert sich Rohn­stock Bio­gra­fi­en zusam­men mit dem Ver­ein »Lebens­er­in­ne­run­gen – Ver­ein zur För­de­rung lebens­ge­schicht­li­chen Erin­nerns und bio­gra­fi­schen Erzäh­lens e.V.“ seit drei Jah­ren in dem Pro­jekt »Kom­bi­nats­di­rek­to­ren erzäh­len« dafür, die Erfah­run­gen der DDR-Wirt­schafts­eli­te zu erkun­den, zu sam­meln und zu publi­zie­ren.

 

Prof. Dr. Heinrich von Pierer und Eckhard Netzmann beschreiben den Übergang von der Plan- in die Marktwirtschaft 1089/90

Prof. Dr. Hein­rich von Pie­rer und Eck­hard Netz­mann beschrei­ben den Über­gang von der Plan- in die Markt­wirt­schaft 1989/90

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Im 25. Jahr der Ein­heit begeg­nen sich ost- und west­deut­sche Wirt­schafts­ka­pi­tä­ne auf Augen­hö­he und mit Respekt gegen­über ihren jewei­li­gen Erfah­run­gen – zum kon­struk­ti­ven Aus­tausch. Einen sol­chen Ansatz gab es bereits 1990 beim ers­ten deutsch-deut­schen Wirt­schafts­tref­fen. Das Ost-West-Wirt­schafts­fo­rum hat dar­an mit neu­en Erkennt­nis­sen ange­knüpft.
Kat­rin Rohn­stock, Initia­to­rin des Forums