Veröffentlichung
Manuela Schwarz – »Einmal hin, einmal her, rundherum, das ist doch schwer«

Das außergewöhnliche Leben von Manuela Schwarz, der prägenden Leiterin des Jenaer Tanztheaters.

 

Einmal hin, einmal her, rundherum, das ist doch schwer mit diesem augenzwinkernden Titel öffnet Manuela Schwarz erstmals den Raum hinter den Kulissen des Jenaer Tanztheaters. In ihren Erinnerungen zeichnet die Tänzerin, Choreografin und Pädagogin ein lebendiges Bild ostdeutscher Kulturgeschichte – und erzählt zugleich die Geschichte eines Lebens, das ganz dem Tanz gewidmet war.

Aufgewachsen in einem Frauenhaushalt im kriegserschütterten Jena, erlebt Schwarz »Tanzschule statt Kindergarten«, weil ihre Mutter schon während des Krieges eine Tanzschule gründet. Ihre Erinnerungen führen durch die Theaterlandschaft der DDR: vom Volkshaus über Stationen in Meißen, Frankfurt/Oder und Erfurt bis hin nach Jena – stets getragen von Disziplin, Neugier und dem Glauben, dass Kunst auch in schwierigen Zeiten Halt geben kann.

Besonders eindrücklich beschreibt sie die Übernahme des traditionsreichen Zeiss-Ensembles. In der DDR war Tanz nicht bloß Freizeit, sondern Ausdruck eines kulturellen Selbstverständnisses, in dem Betriebe wie Zeiss ihre Ensembles förderten. Unter Schwarz’ Leitung entwickelte sich aus einer Folkloregruppe ein gefragtes Tanztheater, das im In- und Ausland auftrat und »Jena in die Welt« trug. Höhepunkt war eine Großinszenierung zur Weltfestspielblume 1973 mit über 700 Tänzerinnen und Tänzern.

Mit dem politischen Umbruch 1989/90 kommt der tiefe Einschnitt: Die jahrzehntelange institutionelle Förderung bricht weg, Probenräume und Strukturen verschwinden über Nacht. Schwarz erlebt, was viele ostdeutsche Kulturschaffende traf: den Verlust vertrauter Systeme und den abrupten Zwang zum Neubeginn. Doch statt aufzugeben gründet sie das Tanztheater Jena e. V., kämpft um Räume, baut Strukturen neu auf und führt ihr Ensemble durch eine Zeit, die viele zur Aufgabe zwang.

Das Buch wird durch die Stimmen früherer Tänzerinnen und Tänzer getragen, die von Gemeinschaft, harter Arbeit, Euphorie, engen Umkleiden, Auftrittsglück und lebenslangen Bindungen erzählen. Für viele war das Ensemble »mehr als Hobby – es war Familie«. Schwarz’ Werk zeigt, wie ein einziger künstlerischer Ort Menschen stärken kann – technisch, aber vor allem menschlich.

Einmal hin, einmal her, rundherum, das ist doch schwer ist damit weit mehr als eine persönliche Lebensgeschichte. Es ist ein Stück ostdeutscher Tanzgeschichte, ein Zeitdokument der kulturellen Umbrüche und ein leidenschaftliches Plädoyer für die Kraft der Kunst. Ein Buch für alle, die Theater lieben – und für alle, die verstehen möchten, wie Kultur ein Leben lang trägt.

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