Edgar Most »Fünfzig Jahre im Auftrag des Kapitals«

Edgar Most Buchcover

Edgar Most »Fünf­zig Jah­re im Auf­trag des Kapi­tals«
Das Neue Ber­lin
2009, 288 S., 9,95 Euro
ISBN: 978-3360019608

Edgar Most
»Fünf­zig Jah­re im Auf­trag des Kapi­tals - 
Gibt es einen Drit­ten Weg?«

Auf­ge­schrie­ben von Kat­rin Rohn­stock und Frank Nuss­bü­cker
Rohn­stock Bio­gra­fi­en (Hg.)

Edgar Most ist eine Insti­tu­ti­on. Eine Ost­deut­sche Stim­me, die man auch im Wes­ten hört. Selbst wenn er Fest­stel­lun­gen trifft wie die­se: »Der Auf­bau Ost war in Wirk­lich­keit die Sta­bi­li­sie­rung West.« Er muß es wis­sen. Most war ein hal­bes Jahr­hun­dert Ban­ker: Staats-Ban­ker, Deutsch-Ban­ker.

Edgar Most, Jahr­gang 1940, gebo­ren und auf­ge­wach­sen in Tie­fen­ort, zwi­schen Rhön und Thü­rin­ger Wald, berich­tet in die­sem Buch aus sei­nem Leben und aus sei­nem Beruf. Sach­lich, selbst­be­wusst, kri­tisch.

Die Vor­fah­ren waren Bau­ern; der Vater lan­ge Jah­re im Krieg und in sowje­ti­scher Gefan­gen­schaft; die Mut­ter starb mit Mit­te 50 an Krebs. Most absol­viert eine Bank­leh­re in Bad Sal­zun­gen, enga­giert sich in der Jun­gen Gemein­de, wird Mit­glied der Frei­en Deut­schen Jugend und tritt mit 21 Jah­ren in die SED ein. Wie­der­holt pro­vo­ziert er Que­re­len mit der Obrig­keit. Der Kar­rie­re­schub setzt ein, als er in den 60er Jah­ren auf die Groß­bau­stel­le des Erd­öl­wer­kes Schwedt geschickt wird. Mit 26 Jah­ren ist er dort Bank­di­rek­tor, der jüngs­te in der DDR. Ende 1989 wird er zum Vize­prä­si­den­ten der Staats­bank der DDR beru­fen. Im März 1990 grün­det Most die Deut­sche Kre­dit­bank AG, die ers­te Pri­vat­bank in der DDR. Und als ers­ter (und bis­lang ein­zi­ger) Ost­deut­scher steigt er schließ­lich in die Chef­eta­ge der Deut­schen Bank auf. Als er 2004 in Ren­te geht, schreibt die Pres­se, dass nahe­zu jeder drit­te Arbeits­platz im Osten Deutsch­lands direkt oder indi­rekt mit sei­ner Tätig­keit ver­bun­den sei.

Most beklagt nicht nur, dass aus der deut­schen Ein­heit zu wenig gemacht wur­de, son­dern benennt auch die Grün­de, Alter­na­ti­ven und Per­spek­ti­ven.
Most schaut nicht zurück. Er setzt sich mit der deut­schen Gegen­wart eben­so aus­ein­an­der wie mit der Welt­fi­nanz­kri­se, die zu einer Sys­tem­kri­se gewor­den ist. »Um sie zu lösen, muss man ihre Ursa­chen, nicht nur die Sym­pto­me bekämp­fen«, sagt der Ban­ker.
Most ist nicht all­wis­send. Aber er weiß, was getan wer­den soll­te. Jetzt!