»Wie ich meine (grüne) Oase fand« — Der Erzählsalon am Aktionstag »Berlin machen«

Bei, Aktion­stag “Berlin machen” engagieren sich Berliner­in­nen und Berlin­er dafür, ihre Stadt schön­er, liebenswert­er und attrak­tiv­er zu machen.

Am 5. Mai 2017 ver­sam­melten sich Berliner­in­nen und Berlin­er im Rah­men des Aktion­stages „Berlin Machen“ der Ini­tia­tive „wirBER­LIN“, um über das The­ma »Wie ich meine (grüne) Oase in Berlin fand – und was ich tue, um sie zu erhal­ten« zu erzählen. Im Kreativhaus auf der Fis­cherin­sel erzählten sie von Rück­zug­sorten und kleinen Fleck­en Natur, die sie die Hek­tik der Stadt für kurze Zeit vergessen lassen.

Bäume als Orte der Ruhe

Auf­fäl­lig oft sind es Bäume, die den beteiligten Men­schen Ruhe und Kraft spenden. Eine Erzäh­lerin berichtete von ein­er Kas­tanie in ihrem Hin­ter­hof, die ihr Haus „umarmt“ und zu allen Jahreszeit­en ein Blick­fang ist. Sie engagierte sog­ar einen Maler, der ihr Zim­mer dem Baum anpasste – seit­dem fühlt sie sich dort wie in einem Baumhaus. Den Baum zu erhal­ten gestal­tet sich jedoch als schwierig, da er von Mot­ten befall­en ist. Darum sam­melt sie jeden Herb­st alle Blät­ter ein.

Ein klein­er Park oder ein großer, schat­ten­spenden­der Baum: Für viele Teil­nehmende haben diese Orte eine spezielle Ausstrahlungskraft

Auch eine andere Erzäh­lerin verbindet etwas Beson­deres mit einem Baum; dies­mal ist es eine alte Eiche im Garten ihres Haus­es, mit welchem eine aufreibende Geschichte verknüpft ist: Mit ihrem Ehe­mann machte die Erzäh­lerin sich auf in die Uck­er­mark, um mit einem Fre­und zusam­men ein altes Förster­haus auszubauen. Doch der Fre­und bekam buch­stäblich in let­zter Sekunde kalte Füße und fuhr ein­fach mit dem Auto davon. Für die Eheleute allein war dieses Haus viel zu groß. Aus der Not her­aus wan­derten sie zehn Tage lang durch die Uck­er­mark und fan­den durch Zufall ein leer ste­hen­des Haus, das wie für sie gebaut schien. Noch heute ste­ht dort die Eiche von damals.

Aber auch öffentliche Orte kön­nen Ruhe und Erhol­ung schaf­fen. Der Leit­er der Erzählcafés im Vere­in „Kreativhaus e.V.“ hat auf der Fis­cherin­sel seine per­sön­liche Ruhe-Oase gefun­den. „Mit ein­er Oase hat sie gemein, dass sie beson­ders schwierig zu find­en ist“, scherzte er. Sein Liebling­sort ist eben­falls ein alter Baum an der Süd­spitze der Insel, von der aus man wun­der­bar das Wass­er betra­cht­en kann.

Mit Engagement Oasen erhalten

Eine Pianistin emp­fahl den Park in der Pankow­er Herder­straße; dort gebe es einen kaum bekan­nten Weg, der von wun­der­schö­nen Pflanzen umsäumt sei. Die Erzäh­lerin gab der Runde aber auch einen neuen Impuls, indem sie die beruhi­gende Wirkung ihres frei­willi­gen Engage­ments im Senioren­heim beschrieb – manche Ruhe-Oasen sind eben nicht durch die Umge­bung, son­dern durch inspiri­erende Men­schen bes­timmt.

Ein­er grün­er Rück­zug­sort muss manch­mal erkämpft oder lang­wierig gesucht wer­den. Dafür ist Engage­ment nötig, erzählten die Teil­nehmenden.

Der Jüng­ste in der Runde ent­flieht der Stadt zur Erhol­ung ganz: Seine Ruheoase ist ein fast unberührter See in der Nähe seines bran­den­bur­gis­chen Klein­gartens. Seit­dem der Schaus­piel­er in ein­er Doku gehört hat­te, dass ein in die Natur gewor­fen­er Zigaret­ten­fil­ter 50 Liter Grund­wass­er vergiftet, sam­melt er dort die Zigaret­ten ein.

Beson­ders umfassend gestal­tete sich das Engage­ment ein­er Steglitzerin: Diese machte es sich zur Auf­gabe, den tot­geglaubten Rosen­garten am Markus­platz wiederzubeleben, in dem sich seit sein­er Ver­wahrlosung die Dro­gen­szene herumgetrieben hat­te. Nach umständlichen Ver­hand­lun­gen mit dem Grün­flächenamt und ein­er lan­gen Suche nach Pat­en für jedes Beet bekam sie endlich die Genehmi­gung.

Seit­dem hal­ten die Nach­barn eng zusam­men und Deal­er lassen sich kaum noch blick­en. Der Haus­meis­ter der ansäs­si­gen Schule hielt sog­ar eine zeit­lang Hüh­n­er auf dem Platz und bald soll ein Schul­gar­ten entste­hen. Es ist der Traum der Erzäh­lerin, dort einen mit Holz befeuerten Brot­back­ofen zu bauen. Die Geschichte zeigt beispiel­haft, welche Auswirkung das Schaf­fen von grü­nen Oasen auf die beteiligte Gesellschaft haben kann.


Der Erzählsa­lon

Erzählen gehört zu den ältesten Kom­mu­nika­tions­for­men, in denen Wis­sen und Erfahrun­gen weit­ergegeben wer­den. Damit erzählt wird, braucht es Raum, Gele­gen­heit und Rit­uale. Der Erzählsa­lon bietet genau dies. Rohn­stock Biografien führt seit 2012 Erzählsa­lons an unter­schiedlichen Orten, zu unter­schiedlichen The­men und in unter­schiedlichen Zusam­men­hän­gen durch, zulet­zt in der Lausitz: Über ein Jahr bracht­en wir dort Men­schen aus fünf Lausitzer Orten an einen Tisch. Mehr dazu unter: www.lausitz-an-einen-tisch.de.